Optimistisch für das laufende Jahr

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ZVEI. - Der ZVEI-Fachverband Satellit + Kabel berichtet über starkes Wachstum durch Analogabschaltung – erfreulich ist, dass gravierende Probleme bei der Umstellung ausgeblieben sind.

05. November 2012

Die alljährliche Pressekonferenz des ZVEI-Fachverbands Satellit & Kabel fand diesmal im traditionsträchtigen Weimar statt. Die Stadt Goethes und Schillers begrüßte die Teilnehmer mit heftigen Regengüssen – ganz im Gegensatz dazu war die Stimmung der Repräsentanten des Fachverbandes ausgesprochen heiter. Sie hatten auch allen Grund dazu, hatte doch die Abschaltung der analogen Satellitenübertragung über das Astra-Satelliten-System am 30. April 2012 für den Markt des professionellen Satellitenempfangs, der Set-Top-Boxen und der Komponenten für Kabelnetze im Jahre 2011 einen mit 720 Millionen Euro (zu Abgabepreisen) um 16 Prozent höheren Umsatz der Branche als im Vorjahr gebracht.

Auch das erste Halbjahr 2012 profitierte mit einem Plus von 25 Prozent noch von der Sonderkonjunktur der Analogabschaltung. Für das laufende Halbjahr erwarten die Mitgliedsfirmen des ZVEI-Fachverbands Satellit & Kabel einen eher moderaten Geschäftsverlauf, so dass das Gesamtjahr 2012 mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau abgeschlossen werden dürfte. Herbert Strobel, Geschäftsführer der Astro Strobel Kommunikationssysteme GmbH und Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Satellit & Kabel: „Das Jahr 2011 und das erste Halbjahr 2012 waren von einem regelrechten Boom bei Kopfstellen und Receivern gekennzeichnet. Die Analogabschaltung hat unserer Branche über 18 Monate eine starke Sonderkonjunktur für Kopfstellen und die Komponenten für den Satelliten-Empfang mit Zuwächsen von teilweise mehr als 100 Prozent gebracht.“ Auch aktuell verzeichnet man eine starke Nachfrage nach Komponenten für HDTV-Empfang. „Mehr als 50 Prozent der deutschen Haushalte empfangen aktuell HDTV“, berichtete Strobel. Für den Kabelbereich erwartet man weitere Impulse durch geplante Investitionen der Kabelnetzbetreiber in Höhe von mehr als 850 Mio. Euro.

Das teilweise befürchtete Chaos nach dem Abschalttermin ist ausgeblieben. „Alle Beteiligten – Sender, Handel, Medien, Verbände, Industrie, die AG SAT und das Projektbüro „Klardigital“ – haben einen richtig professionellen und perfekten Job gemacht“, lobte Fred Hübner, Geschäftsführer der GSS Grundig Sat Systems GmbH, Vorstandsmitglied des Fachverbands Satellit & Kabel und Vorsitzender des Vorstands der AG SAT. Hübner erwartet auch künftig noch Potenzial, da bei einem nicht unerheblichen Teil der Empfangsanlagen das digitale Signal wieder in ein analoges PAL-Signal gewandelt werde und diese Anlagen früher oder später auf digitalen Empfang und HDTV umzurüsten seien.

Dass der analoge Pal-Standard immer noch forciert wird, ist Hübner dabei ein Dorn im Auge, nicht zuletzt deshalb, weil die deutlich gestiegene Nachfrage nach Bandbreiten für HDTV und 3D-TV sowie die wichtige Möglichkeit zur Energieeinsparung mit digitalen Signalen gegen den in die Jahre gekommenen analogen PAL-Standard sprechen.

Zukunftsängste kennt die Branche nach der Analogabschaltung keine – im Gegenteil: HDTV, 3D-TV, neue hochauflösende Standards (4k, Ultra HD), IP-basierte Übertragung, drahtlose Netze, optische Übertragung sowie die vermehrte Integration der Programmversorgung in das Gebäudemanagement sollen weitere Impulse bringen. Der ZVEI-Fachverband Satellit & Kabel unterstützt daher fortschrittliche Weiterentwicklungen, wie DVB-T2, DVB-C2 und DAB+.

„Der Anteil der kabelbasierten Breitbandanschlüsse konnte im letzten Jahr erneut auf nun 13,3 Prozent gesteigert werden“, berichtete Axel Sihn, Geschäftsführender Gesellschafter der Wilhelm Sihn Jr. GmbH & Co KG (Wisi) und stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Satellit & Kabel.

Das Kabel profitierte 2011 mit 61 Prozent Anteil an den Zuwächsen, die bei Breitbandanschlüssen in Deutschland entfielen. Mit 33 Prozent lag die Deutsche Telekom auf Platz zwei. Knapp sechs Prozent entfielen auf alternative, zumeist DSL-Anbieter. Mit dem Netzausbau nach DOCSIS 3.0 werden die Kabelnetzbetreiber bis Ende 2013 zwei Drittel aller deutschen Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s versorgen können, vorausgesetzt, die Kabelnetzbetreiber passen sich den sich ändernden Marktbedingungen und Kundenanforderungen an. Ein großes Marktpotenzial sieht Reiner Hofmann, Geschäftsführer der Blankom Antennentechnik GmbH und Vorstandsmitglied des Fachverbands Satellit & Kabel , in der IP-Technik, die zahlreiche Vorteile bei der Signalverteilung und der Ausstattung von Empfangsanlagen bietet. Sie ist jederzeit per Software erweiter- und anpassbar und ermöglicht Interaktivität und die vollständige Kontrolle aller Funktionen für Diensteanbieter und Endkunden. Speziell für Hotels gibt es bereits eine Vielzahl von Applikationen.

Der Verbreitung von IP-Netzen kommt entgegen, dass heute so gut wie alle Endgeräte eine Netzwerkschnittstelle haben“, erklärte Ralf Exler, Entwicklungsleiter Receiver, Kathrein Werke, Leiter der Technischen Kommission und Mitglied im erweiterten Vorstand des Fachverbands Satellit & Kabel. Ein IP-Netzwerk kann alle Dienste übertragen.

Im Haus stehen als Transportstrecken viele Wege zur Verfügung, so das Stromnetz, Koax-Leitungen, drahtloses W-LAN oder Ethernet-Leitungen. IP-Netze ermöglichen die Nutzung aller Inhalte und Dienste auf einer Vielfalt von individuellen Endgeräten.

Der Fachverband Satellit & Kabel im ZVEI ist das Forum der führenden Hersteller für Systeme der Rundfunkübertragung und Breitbandkommunikation. Seit seiner Gründung vor 60 Jahren vertritt der Fachverband die wirtschafts-, technologie- und umweltpolitischen Interessen seiner Mitgliedsunternehmen auf nationaler und internationaler Ebene gegenüber Kabelnetzbetreibern, Standardisierungsgremien, Politik und Verbänden. Der Fachverband fördert die rasche Digitalisierung der Rundfunknetze und deren Ausbau zu interaktiven Multimedianetzen und tritt für die Gleichberechtigung der drei Übertragungswege Satellit, Kabel und Terrestrik ein.

Der ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. vertritt sehr engagiert die wirtschafts-, technologie- und umweltpolitischen Interessen der deutschen Elektroindustrie auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene.

Er fördert die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien durch Vorschläge zur Forschungs-, Technologie-, Umweltschutz-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik und unterstützt eine marktbezogene, internationale Normungs- und Standardisierungsarbeit.

In konkreten Initiativen zeigt der ZVEI Wege zu mehr Wachstum in Deutschland durch Innovationen auf. Der Verband repräsentiert mehr als 1.600 Mitgliedsunternehmen, die mehr als 90 Prozent des Umsatzes der Elektroindustrie in Deutschland erwirtschaften und rund 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen.

Henning Kriebel

Erschienen in Ausgabe: 06/2012