Planvoll Berge versetzen

Technik

Iconag. - 24 Stunden jeden Tag steuert und überwacht B-Con den punkt- und zeitgenauen Abtransport von rund drei Millionen Tonnen Gestein aus dem Gotthard-Tunnel.

06. Juli 2009

Mit Alp-Transit Gotthard soll eine zukunftsorientierte Bahnverbindung durch die Alpen entstehen, deren Herzstück der Basistunnel am Gotthard ist. Der Bau des Tunnels mit einer Länge von über 57 km ist die Pionierleistung des 21. Jahrhunderts.

Ende 2016 soll die Inbetriebnahme des längsten Tunnels der Welt erfolgen und zu einer Verbesserung der Reise- und Transportmöglichkeiten im Herzen Europas führen.

Bei den enormen Gesteinsmengen, die aus dem Gotthard-Tunnel herausgebrochen werden, ist es eine elementare Aufgabe, den Materialfluss je nach Menge, Bedarf und Qualität zu steuern und an die entsprechenden Stationen zur Aufbereitung weiterzuleiten.

Die drei Millionen Tonnen Tunnelausbruchmaterial das entspricht in etwa der 5-fachen Größe der Cheops-Pyramide – werden aufbereitet und zur Herstellung von rund fünf Millionen Tonnen Betonzuschlagstoffen genutzt.

Die Aufbereitung des Materials erfolgt direkt auf den Baustellen und bietet durch die erhebliche Einsparung von Kosten sowie der Schonung von Ressourcen einen doppelten Nutzen. Damit die optimale Materialverwaltung bereits ab der Tunnelröhre gewährleistet werden kann, wurde die Elkom Partner AG aus Davos damit beauftragt, eine möglichst einfache Bedienung der Förderbänder sowie Sieb und Verladestationen zu realisieren.

Um dem erhöhten Kostendruck infolge von Verzögerungen entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass die Bandanlagen, die eine Stundenleistung von 1.000 m3 erbringen müssen, während ihrer gesamten Betriebszeit von 24 Stunden an sieben Tagen die Woche punkt- und zeitgenau funktionieren.

Bei der Visualisierung des Steuerungs- und Leitsystems für die Materialbewirtschaftung im Bauabschnitt Erstfeld hat Elkom auf die Leittechnik-Software B-Con von Iconag gesetzt. Seit 2000 ist das Unternehmen Systempartner und somit Ansprechpartner für die Umsetzung von Projekten sowie Berater hinsichtlich der Konzeptionierung und Planung von Systemen zur gewerkeübergreifenden Visualisierung, zur Gebäudeleittechnik und zum technischen Gebäudemanagement. Als Dienstleister übernehmen sie die Erstellung und Inbetriebnahme der Systeme vor Ort und kümmern sich um den späteren Betrieb der Anlage und deren Wartung.

Durch den Einsatz der Software B-Con werden im Projekt Tunnelbau alle Abläufe und Prozesse der rund 60 Förderbänder der verschiedenen Typen wie Normal-, Dreh-, Verschiebe- und Positionierungsbänder in einem System beziehungsweise unter einer einheitlichen Bedienoberfläche zusammengefasst. Um Manipulation oder fehlerhafte Benutzung der Anlage zu vermeiden, muss sich jeder Benutzer am System anmelden.

Die Berechtigungsvergabe ist so angelegt, dass nur instruiertes Personal Einstellungen vornehmen kann. Die Änderung von Passwörtern kann für jeden einzelnen Benutzer sogar im laufenden Betrieb vorgenommen werden.

B-Con gewährleistet eine lückenlose Dokumentation mit Logfile aller Prozesse und den damit verbundenen Bedienereingriffen auf dem Leitsystem sowie an den Bändern vor Ort.

In der Hauptnavigationsleiste der Bedienoberfläche hat der Benutzer durch Schieben innerhalb einer Miniaturansicht die Möglichkeit, sich genau den gewählten Ausschnitt der Anlage anzeigen zu lassen.

So kann der Status jedes Förderbandes, welcher durch unterschiedliche Farbtöne definiert ist, in diesem Bereich überwacht werden. Zudem wird immer die letzte Störmeldung und deren Status angezeigt. Die Verwaltung aller anstehenden und gegangenen Störmeldungen übernimmt der B-Con Alarmhandler, eines von neun schlüsselfertigen Programmmodulen.

Die Koordination des Tunnelausbruchmaterials zu den entsprechenden Verlade- und Weiterverarbeitungsstationen erfolgt mittels einer einfachen Matrix. Dabei übernimmt der Anwender die Eingabe des Materialweges durch Festlegen von Start und Ziel sowie der gewünschten Fahrstraße und kann diese als sogenannte Sequenzen anlegen.

In diesem Schritt wird auch überprüft, ob die gewählte Fahrstraße frei und ohne Störung ist. Sollte die getroffene Auswahl belegt sein, wird durch die Steuerung automatisch nach einer Alternativroute gesucht.

Damit die erzeugten Sequenzen zu einem späteren Zeitpunkt ohne Neueingabe abgerufen werden können, erfolgt deren Abspeicherung sowie die Darstellung als Schaltfläche in der Hauptnavigationsleiste. Hier wird auch der Status „Standby“, „in Betrieb“ oder „Aus“ angezeigt. Der B-Con Alarmhandler ist im Projekt so konfiguriert, dass das Anzeigefenster bei eingehenden Störungen in den Vordergrund tritt, mit Zeitstempel und Priorität versehen und im Klartext angezeigt wird.

Das Annehmen eines Alarms wird im Störungsprotokoll festgehalten und gibt so einen Überblick darüber, wer die Störung erkannt und welche Maßnahmen zur Behebung eingeleitet hat. Die Rohdaten der Alarmprotokolle werden bei Aufruf durch den entsprechenden Button in der Navigation automatisch als Excel-Tabelle aufbereitet und ausgedruckt. Protokolle, die älter als drei Monate sind, werden aus dem System gelöscht.

Neben der Protokollierung der Betriebszustände und Störungen werden ebenso die Werte der Bandwaagen aufgezeichnet, in Excel aufbereitet und in einem Printscreen dargestellt. Zudem werden die Waage-Protokolle zur Verrechnung des abgeführten und aufbereiteten Ausbruchmaterials täglich automatisch per Mail weitergeleitet. In einer Trendkurve können bis zu acht Waagen abgebildet und gegenübergestellt werden. Durch den Einsatz von B-Con als Leittechnik-Software sind die visualisierten Prozesse innerhalb des Jahrtausendbauwerks so redundant, dass es möglich ist, einen Block-zug von 1.000 Tonnen innerhalb von einer halben Stunde zu beladen und zu rangieren, wobei für einen Großteil der Destinationen keine Hilfsmittel wie beispielsweise Pneu-lader eingesetzt werden müssen.

Gotthard-Basistunnel

50 Jahre Planung

Der Gedanke, einen Gotthard-Basistunnel zu bauen, ist nicht neu: Eine erste Idee wurde bereits 1947 vorgelegt.

Ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Projekt von 1962 soll der längste Eisenbahntunnel der Welt tatsächlich in Betrieb genommen werden. Die 50 Jahre sind am Projekt natürlich nicht spurlos vorbei gegangen ...

Erschienen in Ausgabe: 04/2009