Platzsparend und flexibel

Neueste Technik für die Renovierung

Bei der Renovierung eines Gebäudes spielt moderne Bustechnik ihre Stärken aus. Ohne übertriebenen Leitungsaufwand können flexible, anspruchsvolle Lösungen geschaffen werden. Elektromeister Thomas Kraetke aus Lübeck setzt aber auch in der Verteiltechnik und beim Überspannungsschutz auf innovative und platzsparende Installationslösungen. Am Beispiel einer renovierten Hamburger Villa zeigen wir sie auf.

10. August 2005

Thomas Kraetkes Weg in die Selbstständigkeit darf man getrost als untypisch bezeichnen. Zunächst hatte sich der junge Elektroinstallateur mit zwei Kollegen selbstständig gemacht. Im Laufe der Zeit absolvierte jeder der drei die Meisterprüfung und verließ unmittelbar danach den Betrieb, bis sich das Unternehmen sozusagen selbst liquidierte. Diesen Schritt vollzog auch Kraetke. Das war vor zwanzig Jahren. Seit zehn Jahren ist er nun Chef der Elektrowerkstatt GmbH in Lübeck. In Abhängigkeit von der Konjunktur seines Betriebs beschäftigt er vier bis fünf Mitarbeiter. Hinzu kommt noch eine Bürofachkraft. Sein Arbeitsgebiet erstreckt sich vom Einfamilienhaus bis zum High-Tech-Objekt. Den Industriebereich klammert sein Unternehmen bewusst aus. Darauf habe er seinen Betrieb auch nie ausgerichtet. Stets stand für ihn der Wohnungsbau im Fokus.

Seit fünf Jahren nun liegen seine Arbeitsschwerpunkte auf Bus- und Netzwerktechnik sowie der Errichtung von Telekommunikationsanlagen. Die Erschließung neuer Technikfelder war erforderlich geworden, weil ein wesentlicher Eckfeiler des Umsatzes, die Beleuchtungstechnik, sich in andere Marktbereiche, vor allem die großen Möbelhäuser, verlagert hatte. Er bedauert den Wegfall dieses Marktes und macht dafür auch das Elektrohandwerk selbst verantwortlich, dass es diesem Marktsegment nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt habe. Heute, davon ist er überzeugt, müsste man große Ausstellungsräume haben und auch die entsprechenden Gebietsvertretungen, um auf diesem Markt zu überleben. Das könne ein kleiner Betrieb gegen die Großflächen nicht stemmen. Weitaus weniger Wettbewerb sieht Kraetke in modernen Bereichen der Elektroinstallationstechnik. Hier wagten sich selbst viele seiner Kollegen nicht heran, so dass dieser Markt noch weitgehend als gesund zu bezeichnen sei.

Enge Zusammenarbeit mit Architekturbüros

Im High-Tech-Bereich arbeitet der Elektromeister eng mit Architekten zusammen. Hier gebe es so etwas wie Arbeitsteilung. Während der Architekt sich um die Außen- und Innenhülle des Gebäudes kümmere, käme die technische Beratung in vielen Fällen von ihm: „Der Architekt will in aller Regel nichts mit Technik zu tun haben. Da viele Architekturbüros mittlerweile aber von einer jungen, aufgeschlossenen Generation geführt werden, ist der Dialog mit den Architekten in den vergangenen Jahren viel einfacher geworden. Diese Architekten sind davon überzeugt, dass ein Objekt dem Bauherrn erst dann größten Nutzen verspricht, wenn Design und Technik miteinander harmonieren,“ erklärt Kraetke gegenüber der G& -Redaktion.

Um an Aufträge heran zu kommen, beteiligt sich sein Unternehmen auch an Ausschreibungen, wobei der Einzugsbereich vom Großraum Lübeck bis nach Hamburg reicht. Hier war er jüngst auch an der Renovierung einer Villa beteiligt. Dabei kam Bustechnik von LCN zum Einsatz. Den ersten Kontakt zu diesem System hatte er auf der Nord Elektro in Hamburg vor fünf Jahren. Inzwischen vermarktet er es aktiv von der Wintergartensteuerung bis zur komplexen Steuerung der gesamten Gebäudetechnik setzt er LCN ein. Diese Systemtechnik, davon ist er überzeugt, eröffnet ihm in mehrfacher Hinsicht gute Marktchancen. Einerseits ist er in der Lage, seinen Kunden einen Mehrwert anzubieten, andererseits kann er sich von Wettbewerbern, die sich bislang noch nicht mit Bustechnik beschäftigt haben oder beschäftigen wollen, abheben.

In der hier vorgestellten, renovierten Villa werden das Erd- und das Dachgeschoss mit LCN gesteuert. Hinzu kommt noch die Steuerung der Lichtobjekte in der Gartenanlage, die beim Besuch der G& -Redaktion noch nicht fertig gestellt war. Integriert werden sollen auch die Beleuchtung des Schwimmbades sowie eine vollautomatische Abdeckung des Pools. Mit ihrer Hilfe sie lässt sich mit LCN vom Haus aus schalten soll sicher gestellt werden, dass unbeaufsichtigte Kinder nicht versehentlich in das Becken fallen. Über eine Cat-6-Leitung wurde im Gebäude auch ein kleines Netzwerk installiert. Und mehr als 1000 m Lautsprecherleitungen schaffen die Basis für die noch zu installierende Beschallungstechnik. Darüber hinaus verfügt das Haus über eine Videotürsprech- und eine Funkalarmanlage sowie eine automatische Türverriegelung per Chip. Dabei besteht die Möglichkeit, neben dem Öffnen der Tür auch Relais zu schalten. Deshalb wurde es vom Elektrofachbetrieb so eingerichtet, dass zum Beispiel die Alarmanlage mit dem Transpondersystem scharf geschaltet werden kann.

Hohe Sicherheit auf engem Raum

Im Gebäude gibt es zwei Verteilungen, eine im Keller und eine im ersten Obergeschoss. Die üppigere Ausstattung liegt einerseits an der komplexen Technik, andererseits aber auch an einem möglichen Erweiterungsbedarf in der Zukunft. Nicht zuletzt deshalb muss Verteilungsraum gespart werden. So auch beim Überspannungsschutz, der zum Schutz der Stromversorgung unverzichtbar ist.

Im vorgestellten Objekt griff Kraetke aufgrund der engen Platzverhältnisse hierbei auf das System von Phoenix Contact zurück. Der steckbare Blitzstromableiter Flashtrab Compact und der schmale Überspannungsableiter Valvetrab Compact bilden hier das Überspannungsschutzkonzept für die Energieeinspeisung. Installationskomfort, einfache Auswahl und der geringe Platzbedarf zeichnen das Konzept aus. Für alle gängigen Anwendungen in Drei-, Vier- oder Fünf-Leiter-Netzen stehen komfortable Installationsblöcke zur Verfügung. Eine Statusanzeige am Stecker sowie ein potenzialfreier Fernmeldekontakt machen Sicherheit ohne zusätzlichen Platzbedarf sichtbar. Die Überspannungsschutzkombinationen bestehen aus gekapselten Blitzstromableitern und vollwertigen Überspannungsableitern, die durchgängig steckbar sind. Innovative Funkenstrecken in Verbindung mit leistungsstarken Varistorableitern sorgen für gute Schutzwirkung. Die Ableiter Valvetrab sind reine Überspannungsableiter und zeichnen sich insbesondere durch ihren geringen Platzbedarf aus.

Rasche Installation mit Direkt-Steckklemmen

So wie er sich im Bereich der Bustechnik und des Überspannungsschutzes innovativer Technik bediente, kam für Kraetke auch im Verteiler nur neueste Technik in Frage, nämlich Dreistock-Installationsklemmen in Direktstecktechnik. Ihr kennzeichnendes Merkmal ist die schnelle und einfache Bedienung ohne Werkzeug.

Die Leiter werden einfach eingesteckt und sind dann bereits fertig angeschlossen. Diese Art der schnellen Kontaktierung gilt für starre und vorkonfektionierte Leiter mit Aderendhülse. Möglich wird dieser einfache Leiteranschluss durch den Einbau der Schenkelfeder, die aus der Gerätetechnik bekannt ist. Mit dem Einstecken des starren Leiters wird die Feder automatisch geöffnet. Auch flexible Leiter ohne Aderendhülse können nach dem Öffnen der Feder mit einem Standard-Schraubendreher verdrahtet werden.

Alle Installationsklemmen wurden im Rahmen des Reihenklemmensystems Clipine-Complete für die Verwendung von systemübergreifendem Zubehör entwickelt. Neben dem gleichen Brückensystem ist auch das komplette Zubehör zum Beschriften und Prüfen identisch zu Reihenklemmen mit Schraub-, Zugfeder- und Schnellanschlusstechnik Quickon. Hierdurch können Klemmen der vier Anschlusstechniken frei miteinander kombiniert und die Lagerhaltung des Zubehörs reduziert werden. Unser Projektbeispiel macht deutlich, auf welchen Geschäftsfeldern heute noch für das Elektrohandwerk Aufträge zu generieren sind.

Während der Neubausektor weiterhin rückläufig ist, wächst der Renovierungsmarkt kontinuierlich. Veraltete Elektroinstallationen sind heute nicht mehr in der Lage, die steigenden Bedürfnisse der Bewohner nach Sicherheit, Komfort und Wirtschaftlichkeit zu befriedigen. Im Gegenteil, sie können im Einzelfall sogar zum Sicherheitsrisiko werden. Aufklärungsarbeit ist also in Richtung Bauherr und Bewohner zu leisten. Kommt es zum Beratungsgespräch, dann sollten in jedem Fall die Möglichkeiten moderner Bustechnik vorgestellt werden. Wer gerade renoviert, ist offen für zukunftssichere Techniken, die später problemlos erweitert bzw. ergänzt werden können. Und er ist dankbar, wenn man ihm vorführt, dass die „Sanierung“ einer modernen Elektroanlage später ohne Stemmen und ohne Schmutz durchgeführt werden kann.

Prüfadapter für Blitzstromableiter

Alle Funkenstreckenstecker aus der Produktfamilie Flashtrab Compact sind jetzt mit dem Checkmaster von Phoenix Contact prüfbar. Der dafür entwickelte Prüfadapter CM-PA-FLT/VAL-CP ist universell ausgelegt, so dass auch die Varistorstecker von Flashtrab Compact und Valvetrab Compact getestet werden können. Ohne Installationsarbeiten besteht damit die Möglichkeit, die Funktion der Schutzgeräte gleich vor Ort zu prüfen. Die Netzspannung muss nicht abgeschaltet werden. Der Stecker wird einfach gezogen, geprüft und wieder gesteckt. Sollte der Prüfling stark vorgeschädigt oder defekt sein, wird er direkt gegen einen neuen Stecker ausgetauscht. Mit dem Prüfadapter lassen sich die nach VDE 0185 geforderten wiederkehrenden Prüfungen an Blitzschutzsystemen einfach durchführen. Die Prüfung umfasst alle Bauelemente in den Schutzsteckern inklusive des Triggerkreises der Funkenstrecken. Das ausführliche Prüfprotokoll mit allen Prüfergebnissen kann entweder direkt über einen Drucker ausgegeben oder zu einem Rechner exportiert werden. Die eindeutige Bedienerführung im Display ermöglicht eine einfache Handhabung. Die Artikeldaten des Prüflings können wahlweise über die Tastatur eingegeben oder mit dem Handscanner eingelesen werden.

Fazit:

Bustechnik ist für Kraetke unverzichtbar: wirtschaftlich und aufgrund technischer Erwägungen. So sind spätere Erweiterungen ohne großen Investitionsaufwand nur mit Bustechnik möglich. Außerdem ist die Installation komplexer Technik mit dem Bus einfacher. Ja, letztlich sind viele Funktionalitäten mit klassischen Installationsformen nur mit erheblichem Aufwand oder überhaupt nicht möglich.

Erschienen in Ausgabe: G&H High Tech/2005