Plug & Play mit KNX

Innentitelgeschichte

Theben. - KNX ist als offener Standard zukunftssicher und in zahllosen Installationen bestens erprobt. Doch für Eigenheime und kleinere Büros war KNX bisher zu teuer und zu aufwändig. Jetzt bringt Theben eine Lösung aus zertifizierten Komponenten und einer Visualisierungs-App auf den Markt, die ohne ETS auskommt. Zur Inbetriebnahme genügt eine kostenlose, intuitiv zu bedienende Software, die keinerlei Programmierkenntnisse erfordert ein neuer Weg in den Smart Home-Markt für den Installateur.

04. September 2017
© Theben Luxorplay ist die iOS- und Android-taugliche App für die komfortable, sichere und geradezu spielerisch einfache Bedienung von Luxorliving via WLAN. Zugriffsrechte von weiteren Smartphones, etwa die der Kinder, lassen sich auf bestimmte Räume beschränken.
Bild 1: Plug & Play mit KNX (© Theben Luxorplay ist die iOS- und Android-taugliche App für die komfortable, sichere und geradezu spielerisch einfache Bedienung von Luxorliving via WLAN. Zugriffsrechte von weiteren Smartphones, etwa die der Kinder, lassen sich auf bestimmte Räume beschränken. )

Immer mehr Eigenheimbesitzer interessieren sich für Smart Home. Doch mit der Anfrage beim Installateur kommt meist rasch die Ernüchterung. Einen offenen Standard wie KNX zu programmieren, erfordert das Wissen eines Systemintegrators. Auch proprietäre Systeme sind keine echte Alternative. In aller Regel sind sie leichter zu installieren, binden den Käufer aber für die gesamte Lebensdauer der Installation an den Hersteller. An dieser Stelle geben viele Interessenten auf und ergänzen ihre Standardinstallation mit ein paar Funksteckdosen aus dem Baumarkt. Doch ab Oktober gibt es eine Alternative: Luxorliving von Theben, eine KNX-Installation zu einem bezahlbaren Preis; eine zukunftssichere Automatisierungslösung für Wohnungen und Einfamilienhäuser, für Praxen, Kanzleien und kleinere Zweckbauten.

Theben entwickelt und produziert nicht nur hochwertige KNX-Komponenten. „Wir sind mit unserer Wohnkomfort-Steuerung Luxor aus dem Jahr 2005 praktisch der Erfinder des Smart Homes“, meint Luxorliving Produktmanager Tino Schlaich augenzwinkernd. „Schon bei unseren ersten Steuerungen für diesen Bereich sollte der Elektriker die ganze Anlage ausschließlich mit einem Schraubendreher einstellen und programmieren können. Das kam am Markt sehr gut an. Der Elektriker braucht auf der Baustelle keinen Spezialisten, sondern kann das System selbst konfigurieren und in Betrieb nehmen. Deshalb stand auch bei Luxorliving die einfache Inbetriebnahme immer ganz oben im Lastenheft.“ Den Schraubendreher hat inzwischen natürlich der Laptop ersetzt. Das ändert jedoch nichts an der einfachen Installation und Bedienung. Der Clou sind die Software-Tools Luxorplug und Luxorplay sowie eine abgestimmte Palette aus einfach zu bedienenden KNX-Geräten.

Wer an KNX denkt, denkt auch an die zugehörige Engineering Tool Software, kurz ETS. Sie erlaubt es, ganze Gebäudekomplexe zu automatisieren, von der HKL-Infrastruktur bis zur Konstantlicht-Regelung. Leider verlangt so ein mächtiges Werkzeug eine intensive Schulung und ist natürlich kostenpflichtig. Dieser Aufwand ist für den Installateur, der nur hin und wieder eine Automatisierung übernimmt, viel zu hoch. Für diese Zielgruppe wollte Theben eine eigene Lösung entwickeln, ohne auf die Vorteile von KNX zu verzichten. „Der Standard ist weltweit verbreitet, wird von vielen Herstellern unterstützt beziehungsweise weiterentwickelt und läuft entsprechend stabil“, so Schlaich.

„Aber für eine Hausinstallation sind 90 Prozent der Möglichkeiten nicht zwingend nötig.“ Die Hardware besteht aus rund einem Dutzend Sensor- und Aktor-Bausteinen sowie wenigen Zentralgeräten. Diese sind KNX-zertifiziert, bieten aber weniger Funktionen als ein normales KNX-Gerät. „Unser KNX-Jalousie-Aktor hat deutlich über 300 Parameter, der Luxorliving-Aktor hat nicht einmal 30 Parameter. Er lässt sich trotzdem in jeder KNX-Anwendung verwenden“, sagt Tino Schlaich. Der Vorteil dieser Beschränkung ist, dass zur Inbetriebnahme keine ETS nötig ist, sondern nur die sehr einfach zu bedienende und kostenlose Software Luxorplug. Sie „weiß“, wer Teilnehmer sein kann und was er kann. Dieser identifiziert sich nur über seinen Typ und wird dem Programmierer einschließlich seiner Parameter mit Klarnamen angezeigt. Genauso einfach funktioniert die Bedienung per Smartphone-App, mit der der Endanwender später zum Beispiel Szenen oder Zeiten definieren kann.

Durch den regen Austausch mit Kunden wissen die KNX-Spezialisten von Theben genau, welche Funktionen unverzichtbar, und welche nur für spezielle Aufgaben nötig sind. Ergebnis sind folgende Komponenten, ausgeführt als kompakte Reiheneinbaugeräte:

+ Zentrale und Stromversorgung die Systemzentrale Luxorliving IP1 im nur zwei TE-breiten Reiheneinbaugehäuse verfügt über eine Ethernet-Schnittstelle für die Programmierung und – nach Inbetriebnahme – als Verbindung zum WLAN-Router des Objekts. So lässt sich das System per App steuern. Die Betriebsspannung liefert die Spannungsversorgung Luxorliving P640.

+ Schalt- und Dimmaktoren die Schaltaktoren bieten bis zu 16 Kanäle. Neben der Schaltfunktion ist auch ein Treppenlicht mit Vorwarnen nach DIN 18015-2 vorgesehen. Die Universaldimmaktoren mit zwei und vier Kanälen sind optimiert für LED-Leuchtmittel mit einem Dimmbereich von 0-100 Prozent. Unterschiedliche Dimmkurven ermöglichen jedoch das stufenlose Dimmen aller Lampenarten und sogar von vielen Lüftern.

+ Jalousieaktoren diese 4-/8-fach-Aktoren sind frei parametrierbare Antriebssteuerungen mit Schlupfkorrektur für Jalousien, Rollladen und Markisen.

+ Heizungsaktor der Heizungsaktor verfügt über sechs Kanäle. Ein Notprogramm bei Bus- oder Telegrammausfall sowie ein Ventilschutz sorgen für die nötige Betriebssicherheit.

+ Raumthermostat Ein Gerät im Aufbaugehäuse zur Einzelraumregelung von Radiatoren, einer Fußbodenheizung oder einer Kühldecke. Zur Ausstattung gehört eine 4-fach Tasterschnittstelle.

+ Binäreingang für sechs Kanäle das Reiheneinbaugerät bietet sechs potenzialfreie Universal- und Weitbereichsspannungseingänge (10-240 V AC/DC oder intern erzeugte Hilfsspannung von 12 V DC). Per Software sind die Funktionen „Taster“, „Dimmen“ und „Jalousie“ ausführbar.

+ Binäreingang/Tasterschnittstelle für bis zu acht Kanäle ergänzend zum Reiheneinbaugerät sind diese zusammen mit konventionellen Tastern/Schaltern in Unterputzdosen einbaubar.

+ Kombisensor/Wetterstation die Kombisensor/Wetterstation erfasst Wind, Regen, Helligkeit und Temperatur, zum Beispiel zur vollautomatischen Jalousie- und Sonnenschutzsteuerung.

Luxorliving wird genauso verkabelt, wie jede andere KNX-Installation. Leuchten, Rollläden oder andere Anwendungen lassen sich per Software beliebigen Tastern zuordnen. Das öffnet Spielräume die bestehende Installation zu ändern, bietet ein erhebliches Einsparpotenzial und eröffnet mehr Gestaltungspielräume bei der Wahl des gewünschten Schalterprogramms. Tino Schlaich: „Wir vertreiben keine speziellen Tastsensoren, sondern arbeiten mit Tasterschnittstellen. So kann sich der Kunde wie bei einer Standardinstallation aus konventionellen Schalterprogrammen aussuchen, was ihm gefällt.“ Die Tasterschnittstellen können in der UP-Dose direkt hinter dem Schalter installiert und per Buskabel in das System eingebunden werden. Ein Durchschleifen per Buskabel zur Zentrale reicht aus.

Die Inbetriebnahme übernimmt das Windows-Programm Luxorplug. Sobald Busspannung anliegt, kann der Installateur sein Notebook per Netzwerkkabel mit der Systemzentrale verbinden. Die Software listet automatisch die Komponenten auf; jedes Gerät hat eine eindeutige, nur einmal vergebene Nummer, über die es immer wieder identifiziert werden kann. Der Installateur modelliert das Bauvorhaben, das heißt er gibt die Anzahl der Geschosse und Räume an, die er mit Namen versehen kann. Danach werden die Komponenten den Räumen zugewiesen und ebenso mit Klarnamen versehen, wie „Jalousie Kinderzimmer“. Nun setzt er die Parameter für die einzelnen Aktoren, verbindet sie graphisch mit den Sensoren und legt bei Bedarf Gruppen an, etwa alle Jalousien eines Zimmers. Verbundene Geräte lassen sich jederzeit in die Systemzentrale downloaden und sofort testen. Eine wesentliche Erleichterung dabei sind die fest definierten Parameter. „Bei der ETS muss der Systemintegrator jeden Kanal separat definieren. Bei einem funktional sehr umfangreichen Gerät wie einer Wetterstation ist das sehr zeitraubend. Diese Parameter haben wir bereits vordefiniert. Der Installateur muss nur noch auswählen, an welcher Funktion ein Antrieb teilnehmen soll“, erläutert Schlaich.

Zuletzt kann man Aktorkanälen Zentralfunktionen wie „Zentral-Aus”, „Panik“ oder die Teilnahme an der Anwesenheitssimulation zuweisen und parametrieren. Für den Fall, dass etwas nicht auf Anhieb funktioniert, gibt es ein Busmonitoring zur Fehlersuche. Tino Schlaich beschreibt die Funktion: „Bei uns bekommt der Anwender jede Aktion im Klartext angezeigt, etwa „Taster Tür Esszimmer EIN“. So lässt sich ein Fehler rasch identifizieren.“

Während der Inbetriebnahme entsteht eine Projektdatei, die alle Teilnehmer, Funktionen, Verknüpfungen bis hin zu den Klarnamen enthält. Diese wird sowohl im Rechner als auch in der Systemzentrale abgelegt. Im letzten Schritt wird die Systemzentrale dann mit dem hauseigenen WLAN-Router verbunden. Damit kann der Endanwender nun per Luxorplay App auf seine Anlage zugreifen.

Die Visualisierung kommt ohne Displays aus. Ein Android- oder iOS-Smartphone genügt. Damit lädt sich der Anwender die kostenlose App Luxorplay herunter. Diese übernimmt bei der ersten Verbindung mit der Systemzentrale alle Bezeichnungen der Räume und Schalter. Die graphische Gestaltung ist vorgegeben, so dass die Visualisierung mit dem ersten Start einsatzbereit ist. Der Anwender kann nun Zustände von Lichtern, Jalousien, Rollläden und allgemeinen Einstellungen visualisieren und verändern. Er kann etwa jedem Aktorkanal ein Zeitprogramm zuweisen oder Szenen definieren. Selbst eine einfache Administratorfunktion ist vorgesehen. So lassen sich die Zugriffsrechte von weiteren Smartphones, etwa die der Kinder, auf bestimmte Räume beschränken. Zukunftssicherheit bietet Luxorliving auch innerhalb des Systems, denn die Zentrale ist updatefähig.Wenn Theben neue Komponenten oder Funktionen auf den Markt bringt, kann sie der Kunde ohne Austausch von Komponenten nutzen. Hinzu kommt die Projekt-Datei. Eine KNX-Installation kann nur erweitert oder umprogrammiert werden, wenn die Projektdatei vorliegt. Ist diese nicht vorhanden, so muss die Anlage zeit- und kostenaufwändig rekonstruiert werden. Bei Luxorliving ist die Projektdatei in der Systemzentrale abgelegt und kann per Luxorplug einfach ausgelesen werden.

Der Endkunde ist also nicht an den Erstprogrammierer oder einen bestimmten Elektriker gebunden. Dies wird ihm die Kaufentscheidung erheblich erleichtern. „Intelligent und online“ steht heutzutage leider auch für „angreifbar“. Theben geht dieses Problem offensiv an: „Sicherheit“, so Schlaich, „wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die WLAN-Steuerung verhindert unerwünschte Zugriffe von außen. Im kommenden Jahr wird es die Option eines Fernzugriffs geben, aber diese ist nicht zwingend und wird natürlich auch gesichert. Wir lassen Luxorliving hierfür entsprechend zertifizieren.“

Die Sicherheit im Sinne der Anlagenverfügbarkeit ist durch die Projektdatei hoch. Sie lässt sich auf einen Datenträger kopieren oder in einer Cloud spiegeln. So kann die Anlage von auswärts gewartet oder nach einem Crash wiederhergestellt werden. Lieferbar ist Luxorliving in der XL-Version ab Oktober 2017 und in einer erweiterten XXL-Variante ab März 2018. Letztere wird zusätzliche Funktionen bieten wie den Fernzugriff, Energieoptimierung und eine Funklösung für Nachrüstungen.

Martin Witzsch (freier Journalist) für

Erschienen in Ausgabe: 05/2017