Pompeji - geschütztes Weltkulturerbe

Technik

Mobotix. - In der antik-römischen Ausgrabungsstätte Pompeji, in der Nähe von Neapel, wurden u¨ber 380 Dual-Dome-Kameras installiert, um die außergewöhnlich gut erhaltenen Artefakte und reich verzierten Oberflächen sicher vor potenziellen Schäden zu bewahren.

31. Januar 2017
Die Anzeige der Aufzeichnungen erfolgt auf neun 42-Zoll-Monitoren in einem eigenen Kontrollraum, der mit vier Arbeitsplätzen für das Sicherheitspersonal ausgestattet ist. Die Installation als auch die Inbetriebnahme des Systems verlief problemlos. Bildquelle: Mobotix
Bild 1: Pompeji - geschütztes Weltkulturerbe (Die Anzeige der Aufzeichnungen erfolgt auf neun 42-Zoll-Monitoren in einem eigenen Kontrollraum, der mit vier Arbeitsplätzen für das Sicherheitspersonal ausgestattet ist. Die Installation als auch die Inbetriebnahme des Systems verlief problemlos. Bildquelle: Mobotix)

Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte.“ Wahrscheinlich gibt es keine schöneren Worte als jene, die Goethe auf seiner Italienreise zur Beschreibung des 440.000 Quadratmeter großen Gebiets der archäologischen Ausgrabungsstätte Pompeji fand. Die antike römische Stadt, die durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 nach Christus verschüttet wurde, erstarrte durch einen plötzlichen Asche- und Lapilliregen und blieb so über die Jahrhunderte erhalten. Die außergewöhnlichen Ausgrabungsfunde der Städte Pompeji und Herculaneum sowie der ebenfalls durch den Ausbruch begrabenen angrenzenden Städte sind ein einzigartiges, zwei Jahrtausende lang nahezu unversehrt gebliebenes Zeugnis einer Gesellschaftsstruktur. Aus diesem Grund erklärte die Unesco sie 1997 zum Weltkulturerbe. Pompeji untersteht heute dem Denkmalamt Pompeji, einem Institut des italienischen Kultur- und Tourismusministeriums mit Sonderautonomiestatus, das für den Schutz, den Erhalt und die Nutzung der Stätte durch die Öffentlichkeit zuständig ist.

Durch „Grande Progetto Pompei“, einer von der italienischen Regierung geplanten Initiative, soll die Effizienz der Ausgrabungstätigkeiten in Pompeji verbessert werden. Ein außerordentliches Eilprogramm an Maßnahmen wurde erstellt, die die Konservierung, den Schutz, die Instandhaltung und die Restaurierung der Stätte gewährleisten sollen. Dazu musste ein Videosicherheitssystem installiert werden. Die Initiative ist mit 105 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem italienischen Staatshaushalt auch in ökonomischer Hinsicht ein Großprojekt. Sie umfasst nicht nur die Sanierung der Ausgrabungsstätte Pompeji durch die Konsolidierung und Restaurierung von Mauerwerk und verzierten Oberflächen, sondern auch die Sicherung des Areals und den Ausbau des Videosicherheitssystems.

Das Projekt wird durch ein wissenschaftlich-technisches Forschungsprogramm zur Diagnose, zur Vertiefung wissenschaftlicher Erkenntnisse und zur Anleitung der Entscheidungen über die erforderlichen Maßnahmen unterstützt. Die Ausschreibung eines Wettbewerbs für ein neues Videosicherheitssystem gewann im August 2014 das Unternehmen Metoda. Metoda ist ein führendes Unternehmen für die Bereitstellung von Lösungen, Softwarepaketen und Beratungsdienstleistungen für zahlreiche Sparten der Informationstechnologie und der Telekommunikationsbranche– vom Mobile Payment über den Zivilschutz, den Sicherheitssektor und das Networking bis hin zum Building Management. Die italienische Aktiengesellschaft setzt gut 300 Mitarbeiter– Experten und spezialisierte Techniker– in separaten Geschäftseinheiten ein, die sich jeweils spezifischen Anwendungsbereichen widmen.

Dazu gehört unter anderem die Abteilung für Forschung und Entwicklung, die seit Jahren mit namhaften Forschungsinstituten und Universitäten zusammenarbeitet. „Das Aushängeschild von Metoda ist die SOA-Zertifizierung, die das Unternehmen für seine komplexe interne Organisation erhalten hat, und die seine wirtschaftliche und technische Kompetenz bei der Planung und Durchführung umfangreicher öffentlicher Aufträge bescheinigt“, erläutert Cesare Gonnelli, Geschäftsführer des Unternehmens.

„Die Implementierung eines Videosicherheitssystems war aus unterschiedlichen Gründen notwendig. Die Ausgrabungen, bei denen es oft zu Diebstählen und Vandalismus kommt, sollten ebenso überwacht werden wie die Besucher“, fügt Gonnelli hinzu. Zu bestimmten Zeiten besuchen bis zu 15.000 Touristen an einem einzigen Tag die Ausgrabungsstätte. Sie rangiert damit an zweiter Stelle gleich hinter dem Kolosseum. Zahlreiche Aufschriften, Kratzer und Zerstörungen durch Kugelschreiber und Nägel verunstalten die Mauern und Fresken der römischen Häuser, dem Herzen der Ausgrabungsstätte. Die Urheber sind manchmal Touristen, die– zuweilen absichtlich– auch außerhalb der Öffnungszeiten innerhalb der Mauern bleiben. Darüber hinaus haben die jüngsten terroristischen Anschläge das Denkmalamt dazu bewogen, ein modernes Kamerasystem zur Unterstützung des Wachpersonals zu installieren. „Wichtig war uns die Möglichkeit, Gesichter von Personen deutlich zu erkennen und ungewöhnliche Verhaltensweisen auf dem Gelände sowie unbeaufsichtigte und potenziell verdächtige Gegenstände im Auge zu behalten“, so Gonelli weiter. Seit 2011 ist Metoda ein Partner von Mobotix. Das Unternehmen wusste sofort, welches Produkt für das Denkmalamt Pompeji zur Realisierung des Videosicherheitsprojekts am besten geeignet ist.

„Die Anforderungen der Ausschreibung erfüllte Mobotix fast vollständig und konnte tatsächlich als einziger Bewerber eine Technologie bereitstellen, die den realen Bedürfnissen des Amts entsprach. Ein triumphaler Sieg, vor allem aufgrund der Bildqualität, die alle Erwartungen des Auftraggebers weit übertraf.“ Die Installation der ersten Kameras erfolgte im Juli 2015. Bis auf zehn D25-Kameras, die aus architektonischen und stilistischen Gründen eingesetzt wurden, wurden Kameras vom Typ D15 verwendet. Bereits im Dezember wurde Pompeji mithilfe von 240 Kameras streng überwacht. Bis zum Ende des Sommers sollen mehr als 380– teils an den Lichtmasten rund um die Ausgrabungsstätte, teils an den Innen- und Außenwänden der römischen Häuser– befestigte Kameras im Einsatz sein.

Das Videosicherheitssystem ist nur ein Teil einer wesentlich komplexeren IT- und Telekommunikationsstrategie. Metoda verfügt über umfassende Kompetenzen im Bereich Networking und eine eigene Abteilung für Softwareentwicklung und Integration von IT- und Telekommunikationssystemen. So konnte eine komplexe Supportnetzinfrastruktur– bestehend aus 12 Ringen und 88 Knotenpunkten aus Glasfaser– implementiert werden. Die Kameras sind rund um die Uhr in Betrieb. Sie arbeiten jedoch ereignisgesteuert und werden nur beim Eintreten besonderer und unvorhergesehener Vorfälle aktiviert, um den Speicher– trotz des NAS-Archivierungssystems mit einer Kapazität von 700Terabyte– nicht übermäßig zu belasten.

Die Anzeige der Aufzeichnungen erfolgt auf neun 42-Zoll-Monitoren in einem eigenen Kontrollraum, der mit vier Arbeitsplätzen für das Sicherheitspersonal ausgestattet ist. Dank der technischen Versiertheit von Metoda verliefen sowohl die Installation als auch die Inbetriebnahme des Systems problemlos.

„Auch das Personal, das das System bedient und derzeit aus den Parkwärtern selbst besteht, die zwar einführende Schulungen erhalten haben, aber keine Experten für moderne technische Systeme sind, hat die Bedienerfreundlichkeit bestätigt. Die Nutzerfreundlichkeit hat uns zweifellos bei der zügigen Inbetriebnahme des Systems geholfen“, schließt Gonnelli. Wie bei den meisten Projekten von Mobotix sticht auch in diesem Fall die Bildqualität heraus, die auf dem heutigen Markt auch nach Ansicht von Metoda einmalig ist. Das System erhielt volle Anerkennung; das lag sicher zum Teil am dezentralen Konzept.

Besonders die große Anzahl der verwendeten Kameras sorgt dafür, dass das Netz auch unter kritischen Betriebsbedingungen nicht überlastet. Sowohl Metoda als auch der Endanwender sind mit dem Ergebnis zufrieden.

Davon zeugt auch die Idee, in naher Zukunft ein Videoanalysesystem zu implementieren, das „verdächtige“ Verhaltensweisen untersucht, um das Kunst- und Kulturerbe vor Graffitis und Vandalismus zu schützen, die oft irreversible Schäden anrichten.?

Erschienen in Ausgabe: 01/2017