Professionelle Planung

Talk

SIB. - Das Heilbronner Ingenieurbüro für Elektrotechnik gehört bundesweit zu den festen Größen. g+h war vor Ort und sprach mit der Geschäftsleitung über aktuelle Trends in der Elektrotechnik.

10. Juli 2009

Aufgabenschwerpunkte

Das Planungsbüro plant elektrotechnische Anlagen für Büros, Hotels, öffentliche Gebäude, Pflegeheime, Gewerbe und Verkaufsstätten sowie den Wohnungsbau. Zu den Referenzen zählen unter anderem das Distributionszentrum Wasi in Wuppertal, der Neubau der Halle 11 der Heidelberger Druckmaschinen im Werk Wiesloch,DHLMörfelden-Hessenring,die Hauptstelle derKreissparkasse Heilbronn, das Logistikzentrum der Firma Antalis in Frechen sowie das Bürozentrum der Deutschen Bank in Frankfurt.

Seit wann gibt es Ihr Planungsbüro und wie verlief die Unternehmensgeschichte?

M. Braun: Unser Planungsbüro ist 1964 von Josef Gerischer gegründet worden. Von 1970 bis 1989 wurde es von Bruno Schweizer als alleinigem Inhaber geführt und von 1990 bis 2006 von Dieter Schweizer. Ich bin 2003 in die Geschäfts -leitung eingetreten. Seit dem 1. Januar 2007 wird das Unternehmen von den langjährigen Mitarbeitern Günther Leichtle, Frank Rögelein und mir als SIB GmbH + Co KG, Ingenieurbüro für Elektrotechnik weitergeführt. 2004 habe ich das Büro übrigens in die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001-2000 und DIN 14675 geführt; letztere benötigen wir für die Planung von Brandmeldeanlagen.

Wie viele Beschäftigte haben Sie und wo liegen Ihre Planungsschwerpunkte?

M. Braun: Wir haben sieben Mitarbeiter und planen vom Wohnungsbau über Schulen, Verwaltungsgebäude, Gewerbebauten mit zum Beispiel Logistikzentren und Industriegebäuden alles.

Gibt es Aufgabenschwerpunkte?

F. Rögelein:Zurzeit liegen unsere Schwerpunkte bei Gewerbe- und Industriebauten. Wir planen im Augenblick bundesweit unter anderem einige größere Logistikzentren. M. Braun: Ein weiteres Aufgabengebiet ist der gehobene Wohnungsbau.

Hat sich, wenn wir die elektrische Gebäudeausrüstung im privaten Wohnungsbau betrachten, dort in den letzten Jahren hinsichtlich der Wertigkeit etwas verändert?

M. Braun: In den letzten Jahren hat natürlich immer mehr die Gebäudeautomation Einzug in den Wohnungsbau, speziell in den gehobenen Wohnungsbau gehalten. Damit steigt zwangsweise auch der Planungs- und Installationsaufwand, im Gegenzug können diese Wohnungen oder Häuser mit konventioneller Technik nicht mehr sinnvoll gesteuert werden.

Beraten Sie selbst eigentlich auch den Bauherrn?

F. Rögelein: Auf jeden Fall, denn wir sind ja zusammen mit dem Architekten in einer sehr frühen Phase des Baus mit dem Kunden in Kontakt. Und während dieser Phase zeigen wir dem Bauherrn natürlich die elektrotechnischen Möglichkeiten auf. Dazu zählt neben der Bustechnik auch die Wahl des Schalterprogramms, der Gebäudekommunikation und der sicherheitstechnischen Einrichtungen.

Welche Rolle spielt der Elektrofachbetrieb?

M. Braun: Er ist für uns der ausführende Partner und sollte, was sein technisches Know-how betrifft, auf dem neuesten Stand sein. Wir haben übrigens die Erfahrung gemacht, dass Betriebe, die in der Industrie Bustechnik ausführen, im privaten Wohnungsbau oft Schwierigkeiten damit haben.

Warum haben sie diese Schwierigkeiten?

M. Braun: Im gehobenen Wohnungsbau sind eine Vielzahl von Verknüpfungen notwendig, denn dort werden über die Visualisierungen die Beleuchtungsanlage mit Lichtszenen, Sonnenschutz, Multimediatechnik, Einbruchmelde- und Videosprechanlage und Heizungs- und Kühltechnik zentral gesteuert. Sie arbeiten bundes- oder auch europaweit? F. Rögelein: In der Regel arbeitet unser Unternehmen bundesweit, je nachdem wo für uns attraktive Aufträge vorhanden sind und wir gleichzeitig unser planerisches Know-how platzieren können.

Wie gut ist Ihre Zusammenarbeit mit Architekten?

M. Braun: Sehr gut, denn die Architekten werden immer aufgeschlossener gegenüber moderner Elektroinstallationstechnik. Oftmals ist es allerdings schwierig die Elektroinstallation in die Innenarchitektur zu integrieren.

Hat sich die Klimadiskussion auf die Art und Weise Ihrer planerischen Tätigkeit ausgewirkt?

M. Braun: In der Beleuchtungstechnik ganz sicher, denn hier kann durch eine gezielte Auswahl der Systeme und Steuerungstechnik viel zur Energieeinsparung beigetragen werden. Insofern sind wir auf der Beratungsseite mehr als früher gefragt. Zum Einsatz kommen verstärkt tageslichtabhängige Steuerungen. Die Mehrkosten bei den Investitionskosten werden von den Bauherren zurzeit eher akzeptiert, da das Energieeinsparpotenzial erheblich sein kann. Angesichts der immer höheren Energiekosten hat bei vielen Bauherren oder Investoren aber ein Umdenken eingesetzt und sie betrachten ihre Gebäude nicht nur von den Gestehungskosten her, sondern immer mehr aus der Perspektive der langfristigen Betriebskosten und Vermietbarkeit.

Hier müsste es doch von Seiten der Kommune einen großen Bedarf an wirtschaftlichen Lösungen geben?

F. Rögelein: Der Bedarf ist gewaltig, denn die meisten Gebäude stammen noch aus den Sechzi-gerjahren, vor allem, wenn Sie sich die technische Ausstattung der Schulen anschauen. Andererseits schmelzen die zur Verfügung stehenden Mittel für Neuinvestitionen dahin. Man könnte mittel- und langfristig sparen, ist aber nicht bereit, die Mittel für die technischen Lösungen bereitzustellen.

Was unterscheidet Ihr Planungsbüro von anderen?

M. Braun: Eines unseres Hauptmerkmale ist sicherlich die Tatsache, dass wir sehr breit aufgestellt sind, wenn Sie die Projekte betrachten, die wir geplant haben und derzeit in Bearbeitung sind. Dann verfügen wir über sehr viel Erfahrung sowohl in der Zusammenarbeit mit Bauherren, Investoren und Generalunternehmern. Und natürlich durch die Größe unseres Büros sind wir sehr schlagfertig. F. Rögelein: Ganz wichtig ist uns auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit, wir möchten von den Auftraggebern nicht als Nachunternehmer, sondern als gleichwertiger Partner gesehen werden. Die von uns angestrebte enge, persönliche Beziehung ist sicherlich ein wesentlicher Faktor unseres Erfolgs.

Welche Rolle spielen persönliche Kontakte zur Elektroindustrie?

F. Rögelein: Sie sind für uns ebenfalls sehr wichtig, denn wir schätzen natürlich die persönliche Unterstützung durch die Industrie. Wenn Sie das Unternehmen OBO Bettermann nehmen, dann arbeiten wir seit vielen Jahren mit ihm zusammen. Einerseits überzeugen uns die technischen Innovationen aus dem Hause und zweitens sind wir mit der Betreuung ausgesprochen zufrieden. Allein aus Katalogen können wir die nötigen Informationen nicht ziehen. Wir müssen von der Baustelle aus einen Hersteller kontakten können, der uns möglichst umgehend unser Problem löst oder eine wichtige Frage beantwortet. M. Braun: Bei Problemen müssen wir einen kompetenten Ansprechpartner möglichst sofort erreichen können. Heutige Bauvorhaben lassen keinen Spielraum für langfristiges Reagieren.

Sie planen ausschließlich mit OBO Produkten?

F. Rögelein: Natürlich nicht, wir suchen aber stets die für den Kunden besten Lösungen. Wir geben in der Planung nur die Richtlinien für die Qualität vor. So planen wir beispielsweise im Trassenbereich bevorzugt mit OBO-Produkten, weil diese für uns zurzeit am attraktivsten sind.

Ist es von Vorteil, mit einem Systemanbieter zu kooperieren?

M. Braun: Auf jeden Fall, denn wir haben einen zentralen Ansprechpartner für alle Fragestellungen. Bei Fortbildungsseminaren ist es effizienter, das Wissen kompakt aus einer Hand zu bekommen, anstatt viele einzelne Veranstaltungen an verschiedenen Orten besuchen zu müssen.

Welche Trends zeichnen sich in der Elektroinstallation ab?

M. Braun: Installationen werden sich künftig stärker aus dem Deckenbereich in den Boden verlagern. Im Industriebereich wird es immer wichtiger die Montagezeiten zu verkürzen. Z.B. bei Kabeltragesystemen können durch rastbare Systeme wie RKS-Magic von OBO-Bettermann erheblich Montagezeiten gespart werden.

Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.

Erschienen in Ausgabe: 01/2009