Sicheres Wachstum

Geyer AG setzt auf kontinuierliche Unternehmensentwicklung

Das 1911 gegründete Unternehmen Geyer kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Es hat die Entwicklung der Elektrotechnik von Anfang an begleitet und maßgeblich mit beeinflußt. In einer Unternehmensbroschüre ist zu lesen: „Wenn es eine sogenannte ´Steckdosen-Gesellschaft` gibt, und wir alle zählen dazu, dann leistet Geyer tagtäglich seinen Beitrag, daß sie so perfekt funktioniert.“ G&H war vor Ort, um herauszufinden, wie das nach DIN ISO 9001 zertifizierte Unternehmen dem selbstgesteckten Anspruch gerecht wird.

18. August 2003

Am Stammsitz der Geyer AG in Nürnberg sprach die G&H Redaktion mit Dr. Albrecht Siegler (Vorstand), Lothar Glöde (Leitung Geschäftsbereich Handel/Handwerk) und Norbert Nüssel (Leitung Produktmanagement Handel/Handwerk). Neben der aktuellen Wirtschaftslage standen gewerkeübergreifende Entwicklungen und neue Produktfelder im Mittelpunkt des Gesprächs.

G&H: Herr Dr. Siegler, würden Sie uns kurz die Entwicklungsgeschichte des Unternehmens mit ihren wesentlichen Zäsuren skizzieren?

Dr. A. Siegler: 1911 von Christan Geyer gegründet, beschäftigte man sich zunächst mit Metallpreßteilen. Aus der Erkenntnis heraus, daß die Elektrizität viele neue Geschäftsfelder eröffnen würde, begann Christian Geyer in seinem Unternehmen schon mit der Fertigung von Lampenfassungen. In den 20er und 30er Jahren wurde Geyer dann zur „Elektrotechnischen Spezialfabrik“. Viele richtungsweisende Erfindungen und neueste Fertigungsverfahren trugen zum Erfolg des Unternehmens bei.

Nach den Zerstörungen im Zuge des Zweiten Weltkriegs und dem erfolgten Wiederaufbau konzentrierte sich Geyer dann wieder auf die Elektrotechnik: Verteilertechnik und Zählerschränke standen im Mittelpunkt der Entwicklungs- und Fertigungstätigkeiten.

G&H:Wie ist das Unternehmen heute positioniert?

Dr. A. Siegler: Geyer ist heute trotz der AG-Form nach wie vor ein Familienunternehmen und zählt sich zum klassischen Mittelstand mit allen daraus resultierenden Vorteilen. Bis zur Umwandlung in eine AG 1993 war Geyer übrigens eine GmbH & Co KG.

G&H: Warum wurde das Unternehmen in eine AG umgewandelt?

Dr. Siegler: Die Verantwortlichen im Unternehmen haben sich relativ früh darüber Gedanken gemacht, wie die Unternehmenskontinuität über Generationen hinweg sicherzustellen sei und deshalb die Umwandlung in eine Familien-AG beschlossen. Die Aktien befinden sich ausnahmslos in den Händen der Familienmitglieder und werden anteilig gehalten. Sie können nicht an Fremde verkauft, sondern nur intern veräußert werden. Es war und ist das oberste Ziel, das Unternehmen im Besitz der Familien zu erhalten.

G&H: Wie sieht die innerbetriebliche Organisation aus?

Dr. A. Siegler:Vor einem Jahr erfolgte eine innerbetriebliche Neuorganisation nach Geschäftsbereichen, um stärker auf die verschiedenen Märkte einzugehen und unsere Kunden noch besser betreuen zu können.

G&H: Welche Geschäftbereiche sind das?

Dr. A. Siegler: Unsere Geschäftsfelder gliedern sich in die Bereiche Handel/Handwerk mit Installationssystemen und -geräten für den dreistufigen Vertrieb, Verteilungsnetzbetreiber (Kabelverteilerschränke, Säulen, Hausanschlußkästen) und Gehäuse für Werkzeugmaschinen. Unsere vielfältigen internationalen Aktivitäten sind in unserem Exportbereich gebündelt. Hier sehen wir noch überdurchschnittliches Wachstumspotential für die Zukunft.

G&H: Welches ist ihr stärkstes Geschäftsfeld?

Dr. A. Siegler:Das ist zweifellos der Bereich Handel/Handwerk, der den überwiegenden Teil unseres Umsatzes generiert.

G&H:Welche Auswirkungen haben die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen auf ihr Unternehmen.

Dr. A. Siegler: Auch an uns ist die schwierige Lage des Gesamtmarktes nicht spurlos vorübergegangen. Vor allem der Rückgang im Wohnungsbau, von dem wir ja zu einem nicht unbedeutenden Teil abhängig sind, hat dem Unternehmen zu schaffen gemacht. Nicht zuletzt deshalb haben wir verstärkt den gewerblichen Bausektor im Visier; beispielsweise mit Standverteilern bis 400A und in Zukunft auch mehr. Seit gut vier Jahren sind wir dabei, mit neuen Systemen unsere Marktpräsenz kräftig auszubauen.

L. Glöde: Unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle nicht, daß wir trotz der schwierigen Marktsituation und des daraus resultierenden Preiskampfes keine Marktanteile verloren haben. Unsere Strategie zielt darauf ab, künftig mit innovativen Produkt- und Systemlösungen Marktanteile zu gewinnen. Deshalb werden wir Aktivitäten unterlassen, die ausschließlich darauf abgestellt sind, kurzfristig über den Preis Geschäfte zu machen, die in Wirklichkeit keine sind. Geyer-Produkte sollen ihren Zuspruch über ihre Funktion und ihren Nutzen erhalten. Das verstehen wir unter Preiswürdigkeit.

G&H : Welche Rolle spielt dabei ihre Beziehung zum Kunden?

L.Glöde:Für uns gehören die intensive Kundenbetreuung und der Informationsaustausch mit den Verarbeitern unserer Produkte zu den Aufgaben mit höchster Priorität. Ein flächendeckendes Netz von Außendienstmitarbeitern und Handelsvertretungen arbeitet dafür. Im Dialog mit dem Handwerker gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse für die Produktentwicklungen, denn nur so kann sichergestellt werden, daß unserer Systeme und Geräte breite Marktakzeptanz finden.

G&H: Eines Ihrer Kernsysteme heißt Quadro, ein Produkt, das gewerkeübergreifenden Entwicklungen Rechnung trägt. Entsprechen diese Entwicklungen schon heute Ihren Erwartungen und wie sieht die Akzeptanz des Systems im Elektrohandwerk aus?

N. Nüssel: Hier muß man ganz klar sagen, daß wir uns in diesem Markt mehr Bewegung erwartet hätten. Offensichtlich vollzieht sich der Wandel im Elektrohandwerk langsamer als vorhergesehen. Wir sind optimistisch, daß die Aktivitäten des ZVEH in Richtung „Fachbetrieb für Gebäudetechnik bei manchem Elektrofachbetrieb Aktivitäten in diese Richtung auslösen. Die Quadro-Technik wird gelobt und auch mit steigender Tendenz eingesetzt. Die Verzahnung der Gewerke ist da, und es gilt, hier dem Anspruch des Bauherren „Gebäudetechnik aus einer Hand“ gerecht zu werden und Synergieeffekte zu nutzen.

G&H: Ist die Situation im Großhandel spiegelbildlich zu betrachten?

N. Nüssel: Im Großhandel scheint zur Zeit vor allem der SHK-Bereich starke Bereitschaft zu signalisieren,

Elektromaterial zu listen, weil man dort offensichtlich erkannt hat, daß sich so neue Kunden gewinnen lassen.

L. Glöde: Die etwas zögerliche Entwicklung hängt sicherlich auch mit den Berührungsängsten beider Berufsgruppen zusammen. Dennoch sind erste Schritte gegangen worden. Je näher beide Gruppen zusammenrücken, desto besser werde wir mit einem System wie Quadro im Geschäft sein.

N. Nüssel:Trotz Anlaufschwierigkeiten muß man aber sagen, daß sich der gewerkeübergreifende Gedanke durchsetzen wird, auch wenn es vielleicht noch einige Zeit dauern wird.

G&H: Positiv müßte sich doch aber die Neustrukturierung bei den Verteilungsnetzbetreibern und den Durchleitungsrechten auswirken?

N. Nüssel:Das ist richtig. So kann heute beispielsweise ein Bauträger, der 100 Häuser baut, eine Übergabestelle vom Versorgungsunternehmen erhalten. Er verteilt dann die gesamte Energie selbst im Areal und betreibt damit quasi ein privates Netz. Durch die größere Abnahmemenge ergibt sich ein niedrigerer Einstandspreis für den einzelnen Abnehmer.

Aber natürlich ist das Quardro-System für jeden Bauherren erste Wahl, denn er kann den gesamten Auftrag mit einem Handwerksbetrieb abwickeln und dies selbstredend über ein Angebot und einen Preis.

G&H: Meine Herren, wir bedanken uns für das Gespräch.

Erschienen in Ausgabe: 06/2003