Streit im Betrieb

Mediation löst Konflikte und führt zu mehr Erfolg

Streit im Betrieb oder zwischen Unternehmen endet oft vor Gericht. Mitarbeiter und Geschäftspartner ringen dabei im Vorfeld oft um optimale Lösungen, wobei in den meisten Fällen unzureichende Kompromisse gemacht werden. Anstatt einvernehmliche Lösungen zu erzielen, führt die fehlende Akzeptanz beider Seiten zu einem handfesten Konflikt. Das kostet Nerven und vor allem Geld. In unserem dreiteiligen Bereicht zeigen wir auf, wie Mediatoren helfen können, Konflikte ohne Prozeß zu regeln, wo die Ursprünge der Mediation liegen und wie sie sich in der Praxis bewährt.

25. März 2004

Strittige Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Unternehmen grenzen die Produktivität ein, verschlechtern meist das Betriebsklima und hemmen den Unternehmenserfolg.

Wie können Sie vorgehen? Mit dem Einsatz der Wirtschaftsmediation, welche einen strukturierten Prozeß darstellt, bei der einvernehmliche, tragfähige Lösungen in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen - durch Vermittlung eines Dritten - ermöglicht werden. In einer derartigen Situation erhalten Sie durch Mediatoren kompetente Unterstützung zum einen bei der außergerichtlichen Beilegung Ihres Konfliktes und zum anderen bei der zukunftsorientierten Unternehmensentwicklung. Es gibt die Zwei- oder Mehrparteienmediation.

. was steckt dahinter?

Heute sind Unternehmen darauf bedacht, Konflikte beizulegen und die geschäftlichen Beziehungen zu erhalten. Dieses Interesse kann durch einen Mediationsprozeß erreicht werden und langhaltige Vereinbarungen ermöglichen. Die Mediation ist ein strukturierter Prozeß, bei dem ein Vermittler, Mediator/-in genannt, als neutraler Dritter die Parteien anleitet, eine einvernehmliche Lösung des anstehenden Konfliktes zu erarbeiten. Der Mediator/-in - im folgenden Text wird aus Gründen der Vereinfachung nur die männliche Form genannt - sichert seine Allparteilichkeit und Neutralität in diesem Verfahren zu. Durch Vertraulichkeit, Kommunikations- und Verhaltensregeln sowie der Struktur des Prozesses wird ein Konsens erreicht, aus dem beide Parteien als Gewinner hervorgehen und nach Ihren eigenen Vorstellungen, Wünschen und Interessen das Ergebnis nachhaltig bestimmen.

Der wesentliche Unterschied zu einem Gerichtsverfahren besteht bei konfliktartigen Auseinandersetzungen darin, daß die Parteien unter der Leitung des Mediators, selbst eine Lösung erarbeiten. Das Ergebnis baut daher auf den beiderseitigen Interessenslagen auf und liefert so die Voraussetzung, wichtige und lohnenswerte Geschäftsbeziehungen zu erhalten. Die Mediation führt nach dem Harvard Konzept - Konzept des sachgerechten Verhandelns - von der Positionsebene zu der Interessensebene der Parteien. Es ist ein fairer Verhandlungsprozeß, bei dem ein Konsens erzielt wird , der die „Win-Win“ Situation herstellt. In der Anwendung der Teamentwicklung ist das Ziel primär nicht nur das Auffinden von einvernehmlichen Lösungen, sondern in diesem Prozeß werden die beteiligten Personen in den Mittelpunkt gestellt. Das grundsätzliche Potential des Mediators z.B. im Rahmen der innovativen Unternehmensentwicklung, wird darin gesehen, daß die Parteien hierdurch Ihr Konflikt- und Diskussionsverhalten ändern und auch Prozesse des sozialen Lernens initiieren.

In der Wirtschaftsmediation bewegt sich das Unternehmen mit der neuen Sichtweise zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, in einer vertrauten Umgebung: Es geht um Lagebeurteilung, Ziele, Optionen und Lösungen. um Zeit und Ressourcen, aber auch um Interessen und Bedürfnisse. Im Fokus steht ein konkretes Problem. Es geht nicht um allgemeine Prinzipien und Werte. Es geht nicht um das Entwerfen neuer Ideen sondern darum, unterschiedliche Sichtweisen zu nutzen und um den Versuch, trotz der gegebenen unterschiedlichen Sichtweisen gemeinsam konstruktiv zu handeln.

Die Ursprünge

Die Mediation als Alternative zum Rechtsstreit ist seit 1990 bekannter geworden. Nor vor fünf Jahren war die Mediation in Deutschland allenfalls in Großbetrieben üblich. Ihren Ursprung hat diese Methode im Familienrecht und in den Sozialwissenschaften. Dort hat man mit den Gesprächstechniken am meisten Erfahrung.

Während die Wirtschaftsmediation in den USA bereits seit 1970 weite Verbreitung gefunden hat, steckt sie in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Aus den USA liegen inzwischen zahlreiche Statistiken vor, die den Erfolg von Mediation belegen, diese liegen zwischen 70 - 90 Prozent. Die Methode der Mediation hat sich als erfolgreich herausgestellt. Nicht nur im Zusammenhang mit konkreten Konfliktfällen sondern auch bei der Entwicklung neuer politischer Strategien und Normsetzungsverfahren. Hier speziell in dem Bereich der kommunalen und staatlichen Umweltpolitik, die auch in Deutschland zunehmend an ihre Grenzen stößt. Seit 1998 gibt es sogar in den USA erste Online-Mediationsangebote. Das ist für Deutschland grundsätzlich auch denkbar. Dieses Thema wird jedoch durchaus kontrovers diskutiert. Die Parteien können online mit Hilfe des Mediators in „Chat-Rooms“ über Ihren Konflikt berichten und gemeinsam, EDV-unterstützt, nach einvernehmlichen Lösungen suchen. Es gibt vorallem psychologische Aspekte, welche bei der Online -Mediation problematisch sein können. Eine Kommunikation von Angesicht zu Angesicht kann hierdurch sicher nicht ersetzt werden.

Da Zivilverfahren in den USA hinter Strafverfahren zurückgestellt werden, mußten Unternehmen feststellen, daß es oft viele Jahre dauert, bis ihr Fall abgeschlossen wird. Hinzu kommt, daß gerichtliche Entscheidungen womöglich mit dem Abbruch der geschäftlichen Beziehung des Beklagten zum Unternehmen einhergeht. Die Mehrzahl der 500 führenden US-amerikanischen Unternehmen baut in die Verträge mit anderen Firmen deshalb eine Mediations- bzw. Schiedsklausel ein.

Anwendungsgebiete der Mediation

Das Tätigkeitsfeld und somit die Zielgruppe der Wirtschaftsmediation setzt sich aus verschiedenen Teilgebieten zusammen: Mediation zwischen Unternehmen, innerbetriebliche Mediation, Mediation in Familienbetrieben, Mediation zwischen Geschäftspartnern und Gesellschaftern sowie Mehrparteienverfahren u.a. die Umweltmediation.

Qualifizierten Wirtschaftsmediatoren stehen für alle Arten von Konflikten zur Verfügung, die geschäftliche Angelegenheiten betreffen. Die Mediatoren stehen allen offen, die entweder eine schnelle, kostengünstige effektive und tragfähige Lösung für Konflikte aus dem geschäftlichen Bereich benötigen oder die Mediation als integrative Methode in Team- oder Produktentwicklungsprozessen einsetzen wollen. Der Mediationsprozeß eignet sich besonders, wenn zur Vermeidung größerer Schäden schnelle Lösungen gefragt sind. Weitere Beispiele sind Kunden-Lieferanten-Beziehungen, Beziehungen zu Partnerunternehmen, Fusion und Integration, Unternehmensnachfolge, Fusion und Integration, Teamentwicklung und Veränderungsprozesse.

Der Verfahrensaufbau

Der Mediationsprozeß zeichnet sich durch eine klare, strukturierte Vorgehensweise aus. Nach der Auswahl des Mediators, der Sicherstellung der Freiwilligkeit der Parteien und der Bereitschaft, eigenverantwortlich zu handeln wird der Mediationsvertrag geschlossen. Rahmenbedingungen, einzuhaltende Fristen oder weitere Abhängigkeiten, daß der Medaitor in keinem Verfahren als Zeuge genannt werden kann, sind Inhalt des Vertrages. In der ersten Mediationssitzung werden zunächst durch die Parteien dem Mediator die unterschiedlichen Standpunkte dargestellt. Ein wichtiger Schritt, da in festgefahrenen Fällen jetzt das erste Mal wieder die Bereitschaft für ein gemeinsames Gespräch vorhanden ist. Dabei gilt es als Mediator mit größter Aufmerksamkeit und Neutralität die Themen herauszugreifen. Einzelgespräche können an dieser Stelle noch weitere Klärung herbeiführen. Die Unparteilichkeit ist eine der maßgeblichen Grundfähigkeiten des Mediators. Es werden nun von der Positions- hin zu der Interessensebene der Parteien die Konflikte gemeinsam herausgearbeitet. Daraufhin entwickeln die Parteien verschiedene Einigungsmöglichkeiten. Ziel ist ein Ergebnis, von dem beide Parteien profitieren. Dieses einvernehmliche Ergebnis wird schriftlich festgehalten und sofern notwendig, rechtlich verbindlich durch Juristen ausgestaltet und notariell beurkundet.

Das Mediationsverfahren endet, wenn eine einvernehmliche Lösung des Konfliktes erarbeitet wurde und ein Memorandum abgeschlossen wurde, welches ferner durch einen Juristen zu einem rechtsgültigen Vertrag ausgearbeitet werden kann oder ein vorher fest vereinbarter Zeitraum abgelaufen ist.

Ein Mediationsverfahren wird abgebrochen, wenn eine Konfliktpartei permanent gegen die vereinbarten Kommunikations- und Verhaltenregeln verstößt oder wenn eine oder beide Parteien dies wünschen oder auf Verlangen des Mediators.

Zu empfehlen ist, bei Abschluß der Mediationsvereinbarung, festzuschreiben, daß bei einem möglichen weiteren Konfliktfall eine Einigung auf dem Wege der Mediation angestrebt wird. Gleiches gilt auch für die Anwendung des Mediationsprozesses in der Team- und Produktionsentwicklung.

In den Wirtschaftsmediationen werden Emotionen oft versteckt, nach dem Motto“die hat man oder zeigt man nicht“. Das macht es oft schwierig an die eigentliche Quelle, an Bedürfnisse und Interessen heranzukommen.

Auswahl des Mediators und Kosten

Der Auswahl eines guten Mediators kommt eine Schlüsselstellung zu, wenn ein Mediationsprozeß Erfolg haben soll. Von Vorteil ist es, wenn der Mediator aus eigener Praxis heraus die Konflikte oder Inhalte der Themen der Parteien kennen und nachvollziehen kann. Darüber hinaus muß er auch den Prozeß beherrschen und u.a. den Zeitplan, Ziele und Kostenrahmen festlegen. Deshalb ist es wichtig, einen ausgebildeten Mediator heranzuziehen. Eine spezialisierte Einrichtung der Steinbeis-Stiftung ist seit mehreren Jahren in der Wirtschaftsmediation tätig und hat sich mit der Ausbildung von Wirtschaftsmediatoren profiliert. So hat z.B. das Steinbeis-Transferzentrum seit mehreren Jahren einen eigenen Studiengang für Wirtschaftsmediatoren an der Steinbeis-Hochschule Berlin eingerichtet.

Ein Mediator wird üblicherweise auf Stundenbasis bezahlt. Die Kosten für eine Mediatorenstunde bei einer Zweiparteien-Mediation liegen je nach Inhalt und Aufwand des Mediationsthemas zwischen 200.- und 500.- €, netto je Stunde. Hinzu kommen nach Absprache Vorbereitungszeit und gegebenfalls Reisekosten.

Mediationsklausel als Standard

Ein Mediationsverfahren führt in der Regel schnell zu einem Ergebnis. Es sind keinerlei Schriftsätze zur Vorbereitung erforderlich. Die Parteien schließen mit dem Mediator den Mediationsvertrag ab. Der Mediator setzt umgehend den ersten Verfahrenstermin an. Die Lösung wird erfahrungsgemäß bei einer Zweiparteienmediation in drei bis sechs Verhandlungsterminen erzielt, je nach Umfang der anstehenden Thematik.

Viele Firmen, Institutionen und auch Versicherungen neigen dazu, in ihren Verträgen eine Mediationsklausel einzubauen. So wurden z.B. in den Normverträgen für die Architekten und Ingenieure durch den Schweizerischen Ingenieur- und Architektenverein standardmäßig eine Mediationsklausel eingefügt.

Das ab Oktober 2003 zur Verfügung stehende Steinbeis-Transfer-Zentrum Wirtschaftsmediation, welches aus der Steinbeis Stiftung hervorgeht, bildet u.a. eine zentrale Anlaufstelle mit Hauptsitz in Stuttgart für alle Themenbereiche der Wirtschaftsmediation. Sprecherin ist Monika Schwarz. Mit sorgfältig ausgesuchten regionalen Kompetenzteams stehen qualifizierte Mediatoren zur Seite. Diese Einrichtung hilft bei der Suche nach einem geeigneten, ausgebildeten Mediator für jeden speziellen Anwendungsfall und stellt diesen auch zur Verfügung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Zukunft ist die Integration der Mediationsprozesse in alle Arbeitsebenen. Fähigkeiten, die mit dem Stichwort emotionale Intelligenz bezeichnet werden, werden heute immer mehr bei einer guten Führungskraft vorausgesetzt. Das bedeutet, daß die Mitbestimmung der Mitarbeiter sehr wichtig ist - u.a. auch bei der Konfliktlösung. Durch die Mediationsprozesse im Rahmen der Unternehmensentwicklung sind die Parteien angehalten, ihr Konflikt- und Diskussionsverhalten zu ändern und auch Prozesse des sozialen Lernens zu initiieren. Die Mediation bereits als präventive Erfolgsmaßnahme eingesetzt, ermöglicht jeglichen Unternehmenskonstellationen, ob Mittelstand oder Großbetriebe, den richtigen Schritt in eine stabile Unternehmenszukunft.

Abschließend sei hier noch einmal auf den Unterschied zur Schlichtung eingegangen. Im Mediationsprozeß erarbeiten die Parteien selbst, mit Hilfe des neutralen Mediators, eine einvernehmliche tragfähige Lösung . Es entsteht eine Win-Win Situation. Bei der Schlichtung wird zur Unterstützung in Verhandlungen ein Dritter hinzugezogen, der einen unverbindlichen Entscheidungsvorschlag, treffen soll. Eine abschließende Entscheidungsgewalt hat er nicht. Der Schlichter ist bemüht, eine gütliche Einigung auszuarbeiten. Über teilweise fremdbestimmte Schlichtungsvorschläge entstehen häufig Verlierer-Situationen.

Fazit:

Grundsätzlich lassen sich mit der Mediation die verschiedenstartigen Konflikt regeln und eine präventive Unternehmensentwicklungen aufbauen. Die Voraussetzung für einen erfolgsversprechenden Mediationsprozeß ist die Transparenz, Freiwilligkeit und Verhandlungsbereitschaft sowie das Vertrauen im Verfahren und die Neutralität des Mediators.

Erschienen in Ausgabe: 03/2004