Super Blick auf alles

Management

Elektrotechnik Färber. Innerhalb von nur 15 Jahren hat sich das Unternehmen zu einem der führenden Elektrofachbetriebe der Region entwickelt, – auch durch die Unterstützung von Peter Kübel, der mit seinem Führungs- und Organisationssystem, SBAA, auf Unternehmen im Handwerk spezialisiert ist. g+h sprach mit der Geschäftsleitung darüber.

08. Oktober 2018
© ELMOS Photo-Design
Bild 1: Super Blick auf alles (© ELMOS Photo-Design )

Seit zwei Jahrzehnten hilft Peter Kübel mit dem von ihm entwickelten Führungs- und Organisationssystem SBAA Betrieben im Bauhandwerk, die Masteraufgabe des Chefs wirkungsvoll umzusetzen – Miteinander-Weiterentwicklung seines Betriebes. Er kann auf viele sehr zufriedene Kunden blicken.

Interessierte können Informationen über sein Umsetzungs-Know-how downloaden: 

Herr Färber, würden Sie uns einmal kurz Ihren Weg in die Selbstständigkeit beschreiben?

Alexander Färber: Nach meiner Ausbildung zum Elektrotechnikmeister habe ich mich 2003 zusammen mit meinem Bruder Benjamin und meiner Frau Katrin zunächst im Nebenerwerb selbstständig gemacht. Ein Jahr später, mein Bruder war noch im Studium, waren wir dann zu 100 Prozent selbstständig. Ich bin übrigens heute sehr glücklich darüber, dass wir den Weg in die Selbstständigkeit allein gegangen sind und keine Übernahmeverpflichtungen eingehen mussten.

Der Unternehmensgründung folgte ein ungewöhnlich rasches Wachstum, sodass wir 2008 dieses Firmengebäude bezogen haben; wir sind also seit 15 Jahren auf dem Markt aktiv und werden jetzt die 40-Mann-Marke überschreiten. Wir beschäftigen neben mir noch weitere fünf Elektrotechnikmeister. Als Familienbetrieb bilden mein Bruder Benjamin (Dipl.-Ing.) und ich heute die Geschäftsleitung, während meine Frau Katrin (Dipl.-Betriebswirtin) die Rolle der Geschäftsleitungsassistenz innehat.

Wo liegen Ihre Arbeitsschwerpunkte? 

Wir sind sehr stark im Bereich der modernen Elektrotechnik engagiert - Automatisierungstechnik und Sicherheitstechnik bilden zwei Schwerpunkte; darüber hinaus fokussieren wir uns auf den schnellen und zuverlässigen Kundenservice. Seit letztem Jahr sind wir ISO-zertifiziert. 

Woraus resultierte das rasche Unternehmenswachstum?

Unsere Arbeitsschwerpunkte lagen anfänglich ganz klar im Privatbereich und hier vor allem in der hochwertigen Installation, also KNX. So konnten wir uns schon bald gegenüber dem Wettbewerb differenzieren. Dann kamen der Objektbereich und die öffentliche Hand hinzu. Wenn es um die Brandmeldetechnik geht, ist zum Beispiel die örtliche Kommune derzeit unser größter Auftraggeber.

In der Industrie sind wir im Service erfolgreich unterwegs. Sehr stark sind wir in der Glasfasertechnik, die von einem eigenen Meister betreut wird. Unser Wachstum resultiert vor allem aus unserer hohen technischen Kompetenz in allen Kernbereichen der Elektrotechnik und natürlich im dahinter stehenden Service.

In welchen Bereichen sehen Sie für Ihren Betrieb die größten Wachstumschancen?

Benjamin Färber: Energie und Gebäudeautomation sind die großen Aufgabenfelder der Zukunft. Zuwächse sehen wir vor allem in der strukturierten Netzwerkverkabelung. Sicherheitsbeleuchtung, Brandmelde- und RWA-Anlagen sowie Einbruchmelde- und Videotechnik zählen sicherlich für uns ebenfalls zu den großen Wachstumsfeldern, die wir sukzessive ausbauen möchten. 

Innovative Techniken benötigen innovative Elektrotechniker. Wie schaut es bei Ihnen mit der Rekrutierung von qualifiziertem Personal aus?

Alexander Färber: Die in den Medien immer wieder zu findenden Meldungen über Fachkräftemangel im Handwerk treffen zumindest auf unseren Betrieb nicht zu. Wir haben hoch qualifiziertes Personal für alle Technikfelder, mein Bruder ist ja Elektroingenieur und meine Frau Betriebswirtin. Aktuell haben wir neun Azubis. Mein Ziel ist es, zwölf zu haben, denn ich hätte gern drei Auszubildende in jedem Lehrjahr, die wir in Energie- und Gebäudetechnik ausbilden.

So können wir unseren eigenen Nachwuchs am besten ausbilden und die Qualität unseres gesamten Teams nachhaltig sicherstellen. Die Lösung des Fachkräftemangels ist im Grunde ganz einfach: einstellen und ausbilden; unsere besten Mitarbeiter sind „Eigengewächse.“ Hinzu kommt, dass unsere Mitarbeiter uns als Arbeitgeber weiterempfehlen. Dies ist ein kaum zu unterschätzender Aspekt und für uns auch ein klarer Wettbewerbsvorteil. 

Suchen Sie aktuell Personal?

Benjamin Färber: Ja, aufgrund unseres Wachstums – 2017 war unser erfolgreichstes Jahr in der Unternehmensgeschichte – benötigen wir eigentlich immer qualifiziertes Personal. Außerdem bauen wir uns gerade ein zweites Standbein auf. Dabei handelt es sich um die Themen Projektierung und Planung. Vor allem Kunden aus dem Gewerbe und der Industrie möchten heute aus koordinationstechnischen Gründen von der Planung bis zur Ausführung alles aus einer Hand.

Wenn Sie aber als ausführendes Unternehmen auch die Planung machen, kann dies zu Konflikten führen. Um dies zu vermeiden, haben wir ein zweites Unternehmen gegründet, das sich ausschließlich mit Planung und Projektierung beschäftigt. Damit reagieren wir auch auf den Trend, dass bei einem Projekt häufig 50 Prozent Planung und Dokumentation sind. 

Möchten Sie diese Leistung auch Ihren Kollegen aus dem Elektrohandwerk anbieten?

Ja, das tun wir bereits. Bei einem aktuellen Projekt haben wir die Planung erstellt, uns aber nicht an der Ausschreibung beteiligt.

Wo sehen Sie Ihren Betrieb in zehn oder fünfzehn Jahren?

Das ist eine gute und vor allem sehr aktuelle Frage. Wir bewegen uns natürlich wie alle anderen Handwerksunternehmen in einem sich wandelnden Umfeld, das in der Diskussion von Fachkräftemangel, Abwanderung von Fachkräften in große Industriebetriebe und einem damit einhergehenden nahezu grenzenlosen Anspruchsdenken charakterisiert ist. 

32-Stunden-Wochen, Sabbatical, Home-Office, flexiblere Arbeitszeiten, Betriebsrat, betriebliche Altersvorsorge, Datenschutzgrundverordnung, Elternzeit, Kindergarten, Kinderbetreuung sind nur einige der Themen, die auch für Handwerksbetriebe teilweise verpflichtend sind; und sie machen es ausgesprochen schwer, als Handwerksunternehmer wirtschaftlich zu überleben; denn letztendlich müssen genügend Aufträge vorhanden sein, um damit die Gehälter aller Mitarbeiter finanzieren zu können und einen Gewinn für den Unternehmer zu erwirtschaften.

Als kleiner Handwerksunternehmer mit drei oder fünf Mitarbeitern stellt sich zwangsläufig die Frage, ob man sich dies alles überhaupt aufbürden möchte. 

Wir bejahen dies im Augenblick und sehen für die Zukunft, um Ihre Frage abschließend zu beantworten, für unser Unternehmen eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung mit besten Perspektiven. Wir haben nicht zuletzt deshalb keine Zukunftsangst, weil sich nach unserer Einschätzung im Zuge der beschriebenen Entwicklung die Zahl der Elektrofachbetriebe erheblich verringern wird, auch weil bei Unternehmensübergaben die potenziellen Nachfolger vor dem skizzierten Hintergrund die Nachfolge nicht antreten möchten.

Alexander Färber: Ich bin der Überzeugung, dass Betriebe unter zehn Mitarbeitern in Zukunft nicht überleben werden – abgesehen von dem einen oder anderen Unternehmen auf dem Lande oder dem Ein-Mann-Elektroinstallateur. Als Familienunternehmen hoffe ich natürlich, dass eines unserer Kinder – ich selbst habe ja drei Söhne – später vielleicht einmal in unsere Fußstapfen treten will.

Frau Färber, nehmen wir einmal an, dass Sie auf Stellensuche wären, warum würden Sie sich bei Elektrotechnik Färber bewerben?

Katrin Färber: Weil es eine junge, attraktive, innovative und familiengeführte Firma ist, die vernünftig geführt wird und in der es Spaß macht, zu arbeiten. Man könnte sagen „du kommst als Fremder und bleibst als Freund". Aus der eigenen Erfahrung in den Bereichen Buchhaltung und Marketing sowie als Assistenz der Geschäftsleitung kann ich unser Unternehmen als Arbeitgeber nur weiterempfehlen. 

Ihr Unternehmen ist ja ausgesprochen schnell gewachsen, wie haben Sie die innerbetriebliche Organisation dieser Entwicklung angepasst?

Benjamin Färber: Wir waren 2013 in einer Situation, in der wir in der Tat Schwierigkeiten hatten, unsere Organisation der stetig steigenden Auftragslage anzupassen. Es herrschten zwar keine chaotischen Verhältnisse, die fehlende Struktur in der Organisation führte aber zu einer überproportionalen Arbeitsbelastung aller Beteiligten. Allein schon die Einteilungsthematik unserer damals 20 Mitarbeiter überforderte uns zum Teil.

Im ersten Schritt hatten wir uns digitale Lösungen zur Problembehebung angeschaut, dann waren wir zu der Überzeugung gelangt, jemanden zu engagieren, der einfach einmal aus der Vogelperspektive ganzheitlich auf unser Unternehmen schaut. Und durch den Kontakt mit Peter Kübel und SBAA sind wir schließlich auf seinen Masterplan gekommen, den Sie hier im Unternehmen finden. Für einige wirkt er im digitalen Zeitalter auf den ersten Blick vielleicht ein wenig antiquiert; wer ihn aber einmal verstanden hat und mit ihm arbeitet, wird rasch seine Vorteile erkennen und ihn nicht mehr missen wollen.

Im Kern geht es nämlich darum, die Mitarbeiter einzubeziehen. Sie sehen vorausschauend, welche Arbeiten anstehen und wer wann was mit wem macht, sehen Termine und erkennen Prioritäten. Sie begreifen, wie sich ihre Arbeit und ihr Verhalten auf die Aufträge und den ganzen Betrieb auswirken. Sie haben Sinn und Zweck erkannt und machen gerne mit.

Katrin Färber: Die Situation vorher war so, dass in der Frühe alle auf meinen Mann einstürmten, um dann losfahren zu können. Nach diesen teilweise unkoordinierten und damit ineffektiven Gesprächen waren oftmals alle durch die Vielzahl an Informationen extrem überfordert. Der enorme Zeitaufwand kam dabei auch noch hinzu.

Mit dem Masterplan haben wir die Möglichkeit, sehr flexibel und schnell auf die sich täglich ändernden Abläufe zu reagieren, und jeder ist auf einen Blick über alle Tagesabläufe und auch die der folgenden Zeit informiert. Eine digitale Lösung wäre nur bei sich regelmäßig wiederholenden Prozessen passend gewesen. Der Alltag unseres Geschäfts ist aber von permanentem Wechsel geprägt. 

Alexander Färber: Wir haben mit Peter Kübel zunächst unsere Zielsetzungen definiert, darunter stand ein Ziel ganz oben auf der Agenda: nämlich mehr Übersicht und Transparenz zu schaffen – im Büro, in der Werkstatt und auf den Baustellen. Und wir wollten eine klare Übersicht über Auslastungen haben. Dann hat er zusammen mit uns Dreien Strategiebesprechungen eingeführt, die U1. Dabei entscheiden wir unsere Gesamtstrategie und bewerten den Fortschritt der umzusetzenden Schritte. Mit unserem Unternehmensfahrplan behalten wir darüber den Überblick.

Nach der U1 haben wir weitere Besprechungen eingeführt – Teambesprechung, Bürobesprechung, Technikbesprechung und Azubibesprechung. Strategiebesprechung: Aus der U1 ergibt sich die Gesamtstrategie, unser Unternehmensfahrplan. Alle diese Besprechungen führen wir nicht um ihrer selbst willen, sondern wir legen größten Wert auf die Qualität der Besprechungen. Wenn wir wissen, was wir tun wollen, treffen wir daraus unsere Entscheidungen und setzen sie konsequent um.

Bei Einführung von SBAA haben wir alle Mitarbeiter mit ins Boot geholt, die entsprechenden Prozesse etabliert und ein besseres Miteinander erreicht. Dabei geht es ja auch darum, hausgemachte Reibungsverluste zu vermeiden, indem Mitarbeiter stets informiert sind und bei Abweichungen ihre Kollegen informieren. Ziel war es auch, unsere Top-Position in der Region auszubauen. 

Heute können wir sagen, dass wir mit unserer Leidenschaft, unserem Leistungsportfolio, mit SBAA und unserem QM-System vielen um Meilen voraus sind. Und wir können zielorientierter und stressfreier arbeiten. Ohne überheblich zu sein, denke ich oft, dass andere noch schlafen, während wir schon auf der Zielgeraden sind. 

Noch eine Frage zum Abschluss, wie lange hat es nach dem ersten Kontakt mit Herrn Kübel gedauert, bis Sie mit dessen Lösungen reibungslos arbeiten konnten? 

Benjamin Färber: Nach der Einführung hat es rund ein Jahr gedauert, bis alle Prozesse reibungslos liefen. Es sind ja eine ganze Reihe von Stufen zu erreichen, die buchstäblich Schritt für Schritt abgearbeitet werden müssen. Heute ist alles Routine geworden, so selbstverständlich, dass wir uns an die Situation der Einführung kaum noch im Detail erinnern können. Aber gerade das macht den Erfolg unseres Masterplans aus. 

Meine Dame, meine Herren, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch mit Ihnen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018