Surfin` like in the USA

Richtfunk macht den Daten Beine

Die drahtlose Überbrückung der „letzten Meile“ zwischen Festnetz und Gebäude per Wireless Local Loop (WLL) schickt sich an, erdkabelgebundene Technologien zur Datenübertragung wie DSL (Digital Subscriber Line) auszubooten. Immer mehr Gebäude werden mit Hilfe von WLL vernetzt und auf diese Weise in „E-Buildings“ verwandelt. So auch das Düsseldorfer Hotel Nikko, das durch Winstar Communications einen hochleistungsfähigen, permanenten Internetzugang auf WLL-Basis erhalten hat. Damit ist das Fünf-Sterne-Quartier deutschlandweit das erste Hotel, das seinen Gästen beim Internetzugang amerikanische Verhältnisse bieten kann.

18. Juni 2001

Besondere Wünsche erfordern besondere Maßnahmen - nach diesem Motto begab sich das Nikko-Management im vergangenen Jahr auf die Suche nach einem neuen Internet-Provider. Der Grund: Ein amerikanischer Kunde benötigte für die Durchführung eines wichtigen Kongresses in den hauseigenen Tagungsräumen einen sehr viel leistungsfähigeren Internetzugang, als die Düsseldorfer und andere Hoteleigentümer in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bieten konnten. Was die Konkurrenz verneinend den Kopf schütteln ließ, spornte das zur internationalen Luxushotelkette der japanischen Fluggesellschaft Japan Airlines gehörende Nikko an, aktiv zu werden. „Gefragt war ein Zugang, der schnellen Zugriff und hohen Datenfluss erlaubte. Um unseren Kunden diesen Service bieten zu können, suchten wir nach einer entsprechenden Lösung,“ berichtet Carsten J. Heitmann, Verkaufsdirektor Europa und USA des Hotel Nikko.

Die Lösung stieg Heitmann und seinen Kollegen dann buchstäblich „aufs Dach“: Die Winstar Communications GmbH installierte zu diesem Zeitpunkt gerade eine ihrer Antennen auf dem Gebäudekomplex des Deutsch-Japanischen-Centers, zu dem auch das Hotel gehört. Einer unkomplizierten Kontaktaufnahme folgte schnell eine dauerhafte Zusammenarbeit. Winstar hat ein individuell auf die besonderen Anforderungen eines Hotels zugeschnittenes Provider-Konzept entwickelt. Auf Basis der Wireless-Local-Loop (WLL)-Technologie realisierte das Telekommunikationsunternehmen binnen kürzester Zeit einen hoch-leistungsfähigen, permanenten Internetzugang mit einer Übertragungskapazität von 2 Megabit pro Sekunde (Mb/s).

Geschwindigkeit ist gefragt

Der Bedarf an derartigen Übertragungsgeschwindigkeiten ist im Internet-Zeitalter längst keine Seltenheit mehr. „Tempo, Tempo& uot; heißt heute die Devise im World Wide Web. „Wer im World Wide Web unterwegs ist, ist nicht mehr bereit, auf Grund niedriger Übertragungsraten Datenstaus hinzunehmen“, weiß Heiko J. Wüst, Country Manager Germany der Winstar Communications GmbH. Zu Recht, gibt es doch mittlerweile bereits eine Reihe vielversprechender High-Speed-Technologien, die um die besten Plätze in der Gunst der User buhlen. Die wichtigsten sind derzeit DSL (Digital Subscriber Line) und WLL (Wireless Local Loop).

Während - rein theoretisch - mit Hilfe der DSL-Technologie bereits vorhandene Telefonleitungen aus Kupfer je nach Variante zu Breitbandverbindungen mit einer Übertragungskapazität von bis zu 53 Mb/s im Downstream aufgerüstet werden können, sieht die Praxis bislang noch ganz anders aus: Selbst bei der schnellsten SDSL-Variante (Symmetric DSL) sind maximal 2,3 Mb/s in beide Richtungen verfügbar. Deshalb hat sich auch Wireless Local Loop, die schnurlose Überbrückung der „letzten Meile& uot; zwischen Anbieter und Nutzer, inzwischen für viele als interessante Alternative zu reinen Erdkabelnetzen entpuppt. In Deutschland noch relativ unbekannt, hat die „drahtlose lokale Schleife“ in den USA bereits durchschlagende Erfolge erzielt.

„Allein Winstar Communications kann auf Lizenzen in den 60 wichtigsten US-Städten und mehr als 20 internationalen Märkten verweisen“, unterstreicht Country-Manager Wüst, dessen Unternehmen Eigentümern von Gewerbeimmobilien durch „Winstar for Buildings“ die Möglichkeit bietet, ihre Gebäude an das Winstar-Funknetz anzuschließen und damit aufzuwerten - ohne Investitionen seitens des Eigentümers. Dieser eröffnet seinen Mietern mit Wireless Local Loop entsprechend unproblematisch die Welt des High-Speed-Datentransfers. Aus einem Bürogebäude wird ein attraktives „E-Building“, in das das E-Business Einzug halten kann. Gut „funktionierende“ E-Buildings ziehen attraktive, zahlungskräftige Interessenten an. Das ist keine Selbstverständlichkeit in Zeiten, in denen wegen des Überangebots in vielen Städten ganze Blocks mit Gewerbeflächen leer stehen.

Im Vergleich zu DSL bietet WLL den Gebäudeeigentümern und ihren Mietern zwei wichtige Vorteile: Der Anschluss ist unabhängig von der Telekom und vom Auftrag bis zum Anschluss an das Netz liegt nur eine kurze Zeitspanne. „Ist erst einmal der Mietvertrag für eine Fläche auf dem Dach und einen Technikraum geschlossen, beginnen unsere Leute umgehend mit der Installation der Technik,“ erläutert Country Manager Heiko J. Wüst. Bei der Realisierung arbeiten die Mitarbeiter des Telekommunikations-Anbieters eng mit den örtlichen Gebäudetechnikern zusammen, um Störungen für die Mieter während der Installationszeit zu vermeiden.

„Das Ziel, das wir mit Winstar for Buildings verfolgen, ist die Akquise der Dachrechte für Gebäude, in denen Firmen angesiedelt sind, die diese hohen Bandbreiten für ihre Sprach- und Datenkommunikation benötigen,“ erläutert Wüst. Denn im Zeitalter des Internet entscheiden nicht mehr allein Architektur und Lage über die Attraktivität eines Gebäudes, sondern auch eine moderne Infrastruktur für Kommunikation und Information. Sie erleichtert den Mietern die Arbeit, erhöht damit deren Erträge und macht sie so für jeden Vermieter zu attraktiven Geschäftspartnern. Kurzum: Wireless Local Loop bringt Immobilienbesitzern bares Geld ein.

Hohe Ausfallsicherheit

Der Anschluss einer Immobilie erfolgt über eine kleine, unauffällige Antenne auf dem Dach des Gebäudes. Diese Antenne steht in direkter Verbindung mit einer Zentralstation, dem so genannten Hub. Ein Hub dient als Sammel- und Verteilerpunkt, von dem viele drahtlose Breitbandverbindungen mit hoher Kapazität zu Gebäuden in der Umgebung möglich sind. Diese Hub-Standorte schließt der Telekommunikationsanbieter an sein lokales Netz und sein Langstrecken-Glasfasernetz sowie an die entsprechende Switch-Infrastruktur an und liefert so eine End-to-End-Netzwerklösung, die völlig unabhängig von den Kupferkabel-gestützten Netzen der Telefongesellschaften ist.

Neben der Ausfallsicherheit besteht einer der Hauptvorteile von drahtlosen Breitbandnetzen in der großen Skalierbarkeit. Durch die Kombination von Glasfaserkabeln und WLL-Technologie ist Winstar in der Lage, ein End-to-End-Breitbandnetz bereitzustellen, das individuell auf die Bandbreiten-Bedürfnisse des jeweiligen Kunden zugeschnitten werden kann. Zu den Breitbanddiensten, die das Unternehmen anbietet, gehören High-Speed-Internet- und Datendienste sowie Sprachdienste. Diese ermöglichen direkten Zugang zum Internet, zu E-Mail- und SMS-Diensten rund um die Uhr, einschließlich anderer Anwendungen wie Video-Konferenzschaltungen oder Ferngesprächen über das Internet, die alle mit hoher Geschwindigkeit geliefert werden. Diese Anwendungen schließen E-Commerce-Lösungen, E-Mail, Virtual Private Networks (VPNs), Extranets, Video-Konferenzen über das Internet und Web-Hosting ein.

Bewährt sich WLL beim Einsatz im großen Stil in Immobilien, wäre damit das quälende Warten vorbei, das in Zeiten der Erdkabelnetze für den User von Datendiensten zum Alltag gehörte. Warten, bis eine aufgerufene Internetseite komplett geladen war, warten, bis aufwendige Baupläne oder Grafikentwürfe endlich ihren Weg durch das World Wide Web zu wichtigen Kunden gefunden hatten. Warten auf die Reparatur der Telefonleitungen, die Bauarbeiter mit ihrem Bagger versehentlich aus dem Erdboden gerissen hatten. Sämtliche Büros eines Gebäudes waren zeitweise komplett abgeschnitten von der Außenwelt. Von Kunden, Zulieferern, Partnern. Und weil gerade gut zahlende gewerbliche Mieter hohe Ansprüche stellen, bedeutet ständiger Ärger mit der Datenübertragung für jede Immobilie einen hohen Wertverlust, High-Speed-Zugänge ins Internet dagegen eine direkte Wertsteigerung.

Dies weiß auch Hotel-Manager Carsten J. Heitmann, dessen anspruchsvolle Gäste seit Beginn letzten Jahres im Düsseldorfer Nikko via Luftbrücke auf den Datenhighway auffahren können. „Damit waren wir zu diesem Zeitpunkt das einzige Hotel in Deutschland, das seinen Gästen beim Internetzugang amerikanische Verhältnisse bieten konnte: Also schnellen Zugriff und hohen Datenfluss“, so Heitmann. Der Verkaufsdirektor und sein Team haben die Zeichen der Zeit früh erkannt und mit Unterstützung der Winstar Communications GmbH auf modernste Technologie gesetzt. Wenn auch nicht ganz uneigennützig: „Wir können nun über unsere Broschüren den High-Speed-Zugang vermarkten und so neue Kunden gewinnen, die einen entsprechenden Bandbreitenbedarf haben“, freut sich Heitmann.

Erschienen in Ausgabe: 05/2001