Videoüberwachung im öffentlichen Raum

Technik-Spezial Sicherheitstechnik

Axis. - Die Möglichkeiten der Städteüberwachung sind so vielfältig wie die Städte selbst. In erster Linie muss jedoch die Sicherheit der Bewohner im Vordergrund stehen. Sie sollen sich frei in der Stadt bewegen können, ohne sich dabei überwacht zu fühlen.

14. September 2015

Die Zahl derjenigen, die in Städten leben, steigt kontinuierlich an. Statistiken prognostizieren, dass rund 4,536 Milliarden der acht Milliarden Menschen der Weltbevölkerung im Jahre 2025 in Städten leben werden. Je mehr Leute in einer Stadt leben, desto größer ist die Kriminalitätsrate. Um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, setzen viele Städte bereits auf Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Für die Sicherheitsverantwortlichen ist es essenziell zu wissen, wann was wo passiert. Nur so können auch Gegen- oder Hilfsmaßnahmen ergriffen werden. Besonders in urbanen Gebieten mit einer beträchtlichen Bevölkerungsdichte und einer hohen Konzentration potenzieller Opfer bergen Gewalt und Vandalismus ein erhöhtes Risiko. Doch mehr Sicherheit kann es nur geben, wenn im Alltag Maßnahmen zum Schutz vor Kriminalität, des Eigentums und der öffentlichen Ordnung getroffen werden.

Worin liegen dabei jedoch die Herausforderungen? Gibt es noch weitere Einsatzgebiete für Netzwerk-Video außer dem gängigen Sicherheitsaspekt? „Von Parks, öffentlichen Plätzen bis hin zu Straßen und Parkplätzen gibt es zahlreiche Orte, an denen es zu Vorfällen kommen kann. Bei der Vielzahl von Einsatzgebieten und -möglichkeiten gibt es leider keine Universallösung“, weiß Jochen Sauer, Business Development Manager A&E bei Axis. Sicherheitsverantwortliche stehen vor der Herausforderung, je nach Szenario die bestmögliche Sicherheitslösung zu finden. Parks und öffentliche Plätze zum Beispiel erstrecken sich über große Flächen, sodass viele Vorfälle gleichzeitig passieren können. Deshalb sollten hier Überwachungsanlagen über PTZ-Dome mit Präzisionszoom, Lightfinder und Autotracking verfügen, wenn der Weg eines bestimmten Objekts verfolgt werden muss.

Bei dieser Art von Installation muss die gewählte Netzwerk-Kamera sowohl den Gesamtüberblick der Szene erfassen, als auch die Möglichkeit haben, Details in HDTV-Qualität heranzoomen zu können. „Gerade deshalb ist es wichtig, eine Kamera mit PTZ-Funktionen zum Schwenken, Neigen und Zoomen einzusetzen. Ein besonderes Augenmerk sollte dem optischen Zoom gewidmet sein. Er muss immer in der Lage sein, die Szene so aufzulösen, dass eine Identifikation nach EN 50132-7 möglich ist“, erklärt Sauer.

Schlechte Lichtverhältnisse und eingeschränkte Sicht, zum Beispiel aufgrund von Nebel, können es ebenfalls schwierig machen, Szenen richtig auszuwerten. Eine mit der sogenannten Lightfinder-Technologie ausgerüstete Kamera liefert selbst bei Dunkelheit detailgenaue Videoaufnahmen. Häufig ereignen sich Vorfälle gerade dann, wenn außer den Tätern niemand anwesend ist. Durch den zusätzlichen Anschluss eines Lautsprechers lässt sich manche Eskalation bereits im Anfang verhindern und einen unmittelbaren Abschreckungseffekt erzielen.

Die Lebensadern einer Stadt sind ihre Straßen und Kreuzungen. Der Zustand auf den Straßen und der Verkehrsfluss sind wichtig für das schnelle Eintreffen von Rettungsfahrzeugen, aber auch für die Verkehrsteilnehmer, die sich ihren Weg durch verstopfte Straßen bahnen müssen. Zur Aufrechterhaltung reibungsloser Abläufe in der Stadt, aber auch zur Gesichtserkennung und Identifizierung von Nummernschildern, ist es entscheidend, forensisch auswertbare Bilder empfangen zu können. Auch hier liefert eine Netzwerk-PTZ-Kamera selbst nachts oder bei schlechten Wetterverhältnissen hochwertige Aufnahmen, um Fahrzeuge identifizieren zu können.

Mit Voreinstellungen wie Weitwinkel und optischem Zoom können Überwachungskameras den Verkehr beobachten und Autos auch nachts verfolgen. Polizei und Sicherheitsbeauftragte müssen Nummernschilder aus großer Distanz lesen und schnell auf sich bewegende Objekte fokussieren können, um deren Bewegungen in Echtzeit zu verfolgen. Dies ermöglicht es ihnen später eine Überprüfung oder Analyse der Vorfälle vorzunehmen.

Je nach Bedarf des Einsatzortes bieten Sicherheitskameras ergänzende Applikationen. Eine Möglichkeit ist beispielsweise mittels einer Software zu erkennen, wann der Verkehr auf einer Straße stockt. Oder im Bereich von Baustellen können Live-Online-Bilder den Baufortschritt dokumentieren. Werden diese der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, kann zudem ein direkter Dialog geschaffen werden. Ein gutes Beispiel ist hier die niederländische Gemeinde Maastricht: Um den Verkehrsfluss innerhalb und außerhalb der Stadt intelligenter und umweltschonender zu steuern, befinden sich an Verkehrsknotenpunkten, wie Ampeln, Netzwerk-Kameras, die das Geschehen dokumentieren und aufzeichnen. Die Daten werden in einem zentralen Kontrollsystem gesammelt und bieten dank einer integrierten Software-Lösung einen guten Überblick über die aktuelle Verkehrslage – in Echtzeit.

Die Vorstellung eines zentralen, integrierten Überwachungssystems, das über eine Stadt wacht und deren Bürger zuverlässig schützt, ist in der Theorie eine großartige Idee. Die Herausforderung bei der Umsetzung liegt jedoch darin, die Bedenken in Bezug auf die Verletzung der Privatsphäre der Bewohner mit den Überwachungszielen und dem Datenschutz in Einklang zu bringen.

Hier gibt es aber Entwarnung: Kameras mögen zwar auf öffentlichen Plätzen installiert sein – diese müssen jedoch kenntlich gemacht werden. Bei sensiblen Bereichen können digitale Masken die Privatsphäre schützen, indem bestimmte Bereiche aus dem zu überwachten Sichtfeld ausgeblendet werden. „Es ist weder notwendig noch zulässig, in die Privatsphäre der Bürger einzudringen, um eine Stadt sicher zu machen und reibungslose Abläufe zu gewährleisten“, so Jochen Sauer.

Auch im Ausnahmefällen können in der Städteüberwachung öffentlich zugängliche Bilder mittels eines simplen SMS-Switch für eine bestimme Zeit inaktiv gesetzt werden. Im Beispiel der Stadt Maastricht kann durch das Verschicken einer SMS des Sicherheitsbeauftragten an das System die Übertragung von Live-Bildern sofort unterbrochen werden.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015