Vielfalt für die Zukunft

<strong>Triax.</strong> Die Neue Messe Stuttgart hat eine moderne Kommunikationsinfrastruktur, die sich vor allem an den Anforderungen der Messekunden aus den verschiedenen Branchen orientiert. Ein optisches Datennetz sorgt für die Umsetzung.

29. Oktober 2008

Das Herz des hierarchischen Datennetzes, das als LWL-Übertragungsnetz in 1550-nm-Technik realisiert ist, bilden zwei Server, die über fünf Hauptverteiler und mehr als 50 Unterverteiler in den einzelnen Messehallen und sonstigen Einrichtungen innerhalb des Messegeländes die Versorgung der Teilnehmer vor Ort mit Kommunikations-Dienstleistungen sicherstellen. Von den einzelnen Unterverteilern in den Hallen erfolgt die Signalzuführung zu den Messeständen in symmetrischer Verkabelung, die in Unterflur- Installationsschächten ausgeführt ist. Dort befinden sich auch die Daten-Anschlussfelder, an die die Aussteller dann gemäß ihren Wünschen angeschlossen werden können.

Die Besonderheit dieses so konzipierten Messenetzes besteht darin, dass die Übertragung von Fernseh- und Hörfunksignalen innerhalb der Messehallen ebenfalls über symmetrische Kabel erfolgt, sodass dafür kein separates Koaxialkabelnetz erforderlich ist.

Der Empfang und die Aufbereitung von 16 digitalen Fernsehsignalen erfolgt über zwei Satellitenempfangsantennen und eine CATV-Kopfstelle, die die Modulationswandlung der DVB-Signale vom QPSK-Format nach PAL vornimmt. Zusätzlich werden über vier PAL-Modulatoren lokale Videosignale und über einen UKW-Bereichsverstärker die am Standort empfangbaren Tonrundfunksignale in das Messenetz eingespeist.

Das Ausgangssignal der Kopfstelle wird dann über einen optischen Sender und Verstärker und das optische Messenetz zu den zwei Hauptverteilern in Halle 3 und 4 übertragen. Dort erfolgt jeweils eine rein passive Aufteilung des optischen CATV-Multiplexsignals auf 32 Ausgänge, von denen jeder mit einem Unterverteiler in den Hallen oder in sonstigen Einrichtungen des Messegeländes verbunden ist. Bei allen optischen Verbindungen ist eine zweite Faser als passive Reserve für den Fehlerfall oder für die Realisierung eines Rückkanals vorgesehen. Die Unterverteiler stellen die Endpunkte des optischen Netzes dar. In ihnen erfolgt die Umwandlung des optischen CATV-Signals in ein elektrisches.

Dafür kommt das Multimedia-Übertragungssystem Cat-TV der Firma Triax-Hirschmann Multimedia zum Einsatz, dessen optisches Verteilfeld NPO 3412 diese Medienkonversion vom optischen Eingangssignal (Single-Mode) in das symmetrische Ausgangssignal (100 Ω)einschließlich der Verstärkung und der Verteilung auf zwölf Ausgänge bewerkstelligt.

Das Grundprinzip von Cat-TV beruht darauf, dass an einem zentralen Verteilpunkt – hier dem Unterverteiler in den Messehallen – die CATV-Signale, die normalerweise über ein Koaxialkabelnetz oder ein optisches System angeliefert werden, im Cat-TV-Verteilfeld auf ein symmetrisches Kabelsystem transformiert und danach pro Teilnehmer an jeweils einem Ausgang zur Verfügung gestellt werden. Auf der Seite des Teilnehmers werden die CATV-Signale an einem Auslass einer Datendose abgenommen und in einem sogenannten Balun (balanced /unbalanced transformer) wieder vom symmetrischen auf das koaxiale (unsymmetrische) Leitungsformat gewandelt. An einem normgerechten, koaxialen Ausgang des Baluns kann dann zum Beispiel ein normales Fernsehgerät angeschlossen werden.

Die Hauptfunktionen des Cat-TV-Verteilfelds bestehen in der Einspeisung des Multiplexsignals (optisch oder HF), dessen Vorentzerrung auf Grund der hohen Schräglage symmetrischer Kabel, der Verstärkung des Signals sowie der Wandlung von 75 ?(koaxial) auf 100 Ω(symmetrisch). Anschließend erfolgt die Erweiterung auf zwölf RJ 45-Ausgänge mit paarweiser Belegung der Kabel (Signale in Verteilrichtung auf den Adern 1 und 2; Fernspeisung / Rückkanal auf den Adern 7 und 8). Ein Ausgang am Cat-TV-Verteilfeld wird nur dann aktiv geschaltet, wenn am anderen Ende des Kabels ein Balun betrieben wird.

Dies dient als zusätzlicher EMV-Schutz für unbelegte RJ 45-Anschlüsse. Schließlich wird im Verteilfeld auch fallweise die Trennung der Rückkanäle über passive oder aktive Rückkanal- Module vorgenommen.

Der Balun wird beim Teilnehmer über ein RJ 45-Patchkabel mit einem der Ausgänge der Datendose verbunden. In ihm erfolgt die Rückwandlung des CATV-Signals von 100 Ω (symmetrisch) auf 75 Ω im Koaxialsystem sowie die Zuweisung der Signale auf die jeweiligen Koaxial-Ausgänge (EN 61169-2). Die Schräglage und Dämpfung wird dabei bis maximal 50 dB ausgeregelt, abhängig von der Leitungslänge zwischen Verteilfeld und Balun. Die Anpassung an die aktuelle Leitungslänge erfolgt mittels eines Schiebeschalters mit drei Einstellungen für die Leitungslängen 0 bis 30 Meter, 30 bis 60 Meter oder 60 bis 90 Meter. In den über 50 Unterverteilern des Messenetzes Stuttgart kommt jeweils ein Cat-TV-Verteilfeld zur Anwendung, dessen Ausgangssignale mit Patchkabeln auf entsprechende Eingänge eines Standard-Rangierfeldes gelegt werden. Von dort gelangen sie über separate Kabel bis zu den Anschlussfeldern in den Unterflur-Kabelschächten der Messehalle, an die dann die einzelnen Teilnehmer angeschlossen werden. In gleicher Weise erfolgt die Übertragung der Telefon- und Datendienste vom Standard-Rangierfeld, ebenfalls über separate Kabel, zu den Anschlussfeldern.

Die Flexibilität dieser Lösung besteht nun darin, dass zum Beispiel die CATV-Signale vom Cat-TV-Verteilfeld über das Rangierfeld nur an die Teilnehmer weitergeleitet werden, die diese Dienste beim Veranstalter auch gebucht haben. Dies stellt, neben der bereits erwähnten Einsparung eines eigenen Koaxialkabelnetzes für Fernseh- und Hörfunksignale, ein weiteres Einsparpotenzial dar, da nicht von vornherein in jeder Messehalle eine sehr viel größere Anzahl von Rundfunkanschlüssen fix bereitgestellt werden musste.

In den Messehallen 3 bis 9, die jeweils über vier Unterverteiler mit einem Cat-TV-Verteilfeld und zwölf Teilnehmerausgängen verfügen, können somit 48 Teilnehmer mit CATV-Signalen versorgt werden. In der Zwischenzeit hat sich bestätigt, dass diese Systemtechnik für Anwendungen wie bei der Messe Stuttgart geradezu prädestiniert ist, wo in kurzer zeitlicher Folge die unterschiedlichsten Kommunikationsanforderungen der Messekunden flexibel befriedigt werden müssen.

Die Übertragung von Fernseh- und Hörfunkprogrammen über lokale Datennetze (LAN) ist dort eine vorteilhafte Alternative zum klassischen Koaxialkabelnetz, wo eine moderne ITK-Vernetzung für Telefonie und Datendienste für jeden Teilnehmer benötigt wird und zusätzlich einzelne, ausgewählte Nutzer mit Rundfunksignalen oder Inhouse-Videosignalen versorgt werden müssen.

Diese Anwendung unterliegt zusätzlich dem allgemeinen Trend zur Visualisierung und kann in verschiedenen Bereichen verstärkt zum Einsatz kommen. Das Cat-TV-Übertragungsprinzip führt die bewährte CATV-Technik mit der seit langem im Bereich von Datennetzen praktizierten anwendungsneutralen Gebäudeverkabelung zusammen.

CAT-TV-Übertragung

Vorteile für Investor und Betreiber

-Zukunftssicherheit durch die genormte anwendungsneutrale Verkabelung.

-Hohe Flexibilität bei Dienste- und Technologiewechsel.

-Möglichkeit der individuellen Bedienung der Teilnehmer mit Diensten.

-Einheitliche und homogene Netztechnik.

-Kostenvorteil, vor allem bei der Nutzung bestehender Datennetze.

-Verwendung von standardisierten Teilnehmer- Endgeräten wie TV-Geräte, TV-Karten im PC und Standard-Videotechnik.

Erschienen in Ausgabe: 06/2008