Vorgabe Energieeffizienz

Technik

Hager. - Die DIN VDE0100-801 definiert neue Anforderungen für Niederspannungsanlagen. Jetzt gilt es, entsprechend zu handeln. Dabei helfen Energiemonitoring-Systeme, die die Umsetzung der Norm erheblich erleichtern. Wir zeigen, wie es geht und worauf besonders zu achten ist.

31. Januar 2017
In das Energiemonitoring-System können auch die offenen Leistungsschalter mit Modbus-Schnittstelle sowie die Messeinrichtungen für NH-Sicherungslasttrennschalter dieses Herstellers eingebunden werden. Bildquelle: Hager
Bild 1: Vorgabe Energieeffizienz (In das Energiemonitoring-System können auch die offenen Leistungsschalter mit Modbus-Schnittstelle sowie die Messeinrichtungen für NH-Sicherungslasttrennschalter dieses Herstellers eingebunden werden. Bildquelle: Hager)

In der aktuellen DIN VDE0100-801 heißt es sinngemäß zur energieeffizienten Planung von Niederspannungsanlagen, dass die Optimierung des Einsatzes von elektrischer Energie durch eine geeignete Planung und die Beachtung von Errichtungsanforderungen unterstützt werden kann. Entsprechende Maßnahmen und Empfehlungen sind in der Norm erstmals explizit beschrieben. Daraus leiten sich eine Vielzahl verschiedener Anforderungen bei der Planung von neuen Anlagen beziehungsweise bei der Modifizierung bestehender Anlagen ab. Bei der Umsetzung der normativen Vorgaben erweisen sich Energiemonitoring-Systeme als unverzichtbare Hilfsmittel.

Der Anwendungsbereich der Norm erstreckt sich auf die vier Sektoren: Wohngebäude wie Ein- und Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser, Mietwohnungen; Gewerbliche Gebäude wie Büros, Shopping Center, Museen, Krankenhäuser oder Hotels; Industriegebäude wie Werkstätten, Produktionen oder Fertigungen; Infrastruktur-Einrichtungen wie Bahnhöfe, Tunnel oder Flughäfen. Damit rückt das Thema Energieeffizienz nun auch im Zweck- und Gewerbebau noch stärker als bisher in den Fokus. Bei der Umsetzung der normativen Vorgaben in kleineren Wohn- und Zweckbau-Anwendungen erweist sich das neue Energiemonitoring-System von Hager als komfortabel zu handhabendes Hilfsmittel. Denn dieses System ermöglicht mit geringem Aufwand die Erfüllung aller in der Norm festgelegten Hauptaufgaben des Energiemonitorings, zu denen unter anderem Leistungskontrolle und -vergleich, Identifikation der Energienutzung oder auch die Untersuchung der Netzqualität gehören. So lässt sich mit Hilfe dieses Systems der Alltagsbetrieb von Niederspannungsanlagen auf einfache Weise optimieren. Zentrale Einheit des neuen Hager ist der Energiemonitoring-Server Agardio-Manager. An dieses 6-PLE-Modulargerät zur Hutschienenmontage können bis zu 31 Modbus-fähige Messgeräte beziehungsweise Geräte mit integrierter Messfunktion von Hager angeschlossen werden. Dazu zählen beispielsweise die offenen Leistungsschalter mit Modbus-Schnittstelle, Multifunktionsmessgeräte zum Türeinbau sowie die Multifunktionsmessgeräte und Energiezähler zur Hutschienenmontage.

Mit diesen Systemkomponenten lassen sich an allen relevanten Stellen einer Niederspannungsverteilung Messwerte für ein umfassendes Monitoring abgreifen, um eine maximale Energie-Transparenz als Voraussetzung für die Optimierung des Verbrauchs zu schaffen. Darüber hinaus sind bei Bedarf per Modbus Regler für die Blindleistungskompensation und Störlichtbogen-Erfassungsgeräte einbindbar. Aber auch Fremdgeräte wie Gas-, Wasser- oder Energiezähler lassen sich über zwei Impulsausgänge am Server integrieren. Darüber hinaus ist der Server in der Lage, die von einem Messgerät gelieferten Daten zu Spannung und Frequenz anzuzeigen und so Aufschluss über die Netzqualität zu geben. Solch eine Analyse der Netzqualität erhöht nicht zuletzt die Anlagensicherheit und -verfügbarkeit. Zudem ist bei einer erhöhten Oberwellenbelastung mit Hilfe des Energiemonitorings schnell der Verursacher gefunden. Innerhalb des Energiemonitoring-Systems fungiert das Gerät als Modbus-Master: Es erfasst die Messwerte und -daten der angeschlossenen Modbus-Geräte und macht sichtbar, wo sich die Energie-Effizienz steigern lässt– beispielsweise durch die Vermeidung von Grenzwertüberschreitungen durch unwirtschaftliche Verbrauchsspitzen. Wird ein Grenzwert überschritten, kann das System den Betreiber der Anlage per E-Mail darüber informieren. Einer der Vorteile des Energiemonitoring-Systems ist seine einfache Konfiguration: Nachdem die logische Struktur des Projekts mit Angabe von Gebäude, Geschoss und Räumen sowie der Gruppierung der Anwendungen festgelegt ist, erfolgt die Einbindung der Messgeräte. Dies geschieht im Plug-and-play-Verfahren, da alle passenden Messgeräte des Herstellers im integrierten Produktkatalog des Servers hinterlegt sind. Das gewünschte Produkt muss lediglich per Mausklick dem System hinzugefügt und eine Modbus-Adresse zugewiesen werden.

Abschließend ist nur noch das gewünschte Messintervall zu ergänzen. Der Zugriff auf die Messwerte und deren Visualisierung kann mit jedem Internet-Browser erfolgen. Eine spezielle Visualisierungs-Software ist dazu nicht erforderlich. Die Darstellung der Werte erfolgt in Anlehnung an die DIN VDE0100-801. So wird anhand der aktuellen Messwerte die genaue Verteilung des Energieverbrauchs im Gebäude auf einen Blick sichtbar: Wo gibt es Oberschwingungen? Wann treten Verbrauchsspitzen auf? Oder auch: Welche Auffälligkeiten zeigen sich gegenüber den Messungen in zurückliegenden Zeiträumen? All diese Informationen unterstützen den Nutzer auch beim Eingruppieren seines Gebäudes in die Energieeffizienzklassen (EIEC 0bis 4), nach denen elektrische Anlagen seit Oktober 2015 gemäß der DIN VDE0100-801 bewertet werden müssen. Im Agardio-Manager kann diese Klassifizierung angezeigt und in Anlehnung an die Norm in Spinnennetzdiagrammen oder tabellarisch visualisiert werden.

Stefan Fritzenwanker

Hintergrund

Wertsteigerung für Gebäude

Das neue Energiemonitoring System von Hager liefert Daten und Messwerte, die sich bisher nur mit deutlich aufwendigeren technischen Einrichtungen generieren ließen. Davon können vor allem kleinere Zweckbauanwendungen profitieren, da sich bei diesem System sowohl die Kosten für die Technik als auch die für Installation und Konfiguration in einem vertretbaren Rahmen bewegen. So lassen sich unter Berücksichtigung der aktuellen Normenlage viele Gebäude auf Dauer günstiger betreiben– und das steigert ihren Wert.

Erschienen in Ausgabe: 01/2017