Wenn Lehrer die Schulbank drücken

Kommunikationstechnik

Axis. Die Uni Regensburg suchte nach einer Möglichkeit, die Aus- und Fortbildung von Lehrern zu verbessern und die Unterrichtsbeobachtung authentischer zu gestalten. Bisher saßen dabei mehrere Personen im Klassenzimmer und beobachteten von hinten das Unterrichtsgeschehen. Das beeinflusste die Unterrichtssituation deutlich.

08. Mai 2018
© Axis
Bild 1: Wenn Lehrer die Schulbank drücken (© Axis)

Das erklärte Ziel der Universität war es, die Aus- und Fortbildung von Lehrern zu verbessern. Dazu kooperierte die Hochschule mit dem Axis-Partner SuH EDV Systeme, der ein didaktisches Aufzeichnungssystem vorschlug. Mithilfe der eigens entwickelten Lösung können in Videobilder Metadaten für die Ausbildung und Analyse eingefügt werden. Vier öffentliche Schulen im Raum Regensburg stellten dafür ihre Räume zur Verfügung.

Für diese entwickelte SuH ein Baukastenkonzept mit Anleitungen. Es enthält mehrere Kameras und Konferenzmikrofone, die Bild und Ton an einen Rechner im Nebenraum übertragen. Den Aufbau der Installation setzte dann ein IT-Unternehmen beziehungsweise die eigene Haustechnik um. SuH führte die Einrichtung der Kameras und Rechnersysteme mit Tonkontrolle und Steuerung online durch. Zum Einsatz kommen Axis V5914/15 PTZ-Dome-Kameras. PTZ bedeutet „Pan/Tilt/Zoom“, also Schwenken/Neigen/Zoomen. Die Produkte zeichnen sich durch eine hohe Audioqualität und einen leistungsstarken Zoom aus. Die offene Schnittstelle erleichtert die Integration in andere Systeme, wie beispielsweise eine Übertragung des Unterrichts in andere Räume. Die Software Multi Capture V4 unterstützt die gleichzeitige Aufzeichnung von Desktopquellen über HDMI oder AirPlay.

Live aus dem Klassenraum

Die Kameras erstellen HD-Videos mit einer Auflösung von 720p und hoher Farbtreue. Die Funktion zum leichtgängigen Schwenken/Neigen/Zoomen lässt sich über das didaktische Aufzeichnungssystem des Axis-Partners steuern. Dadurch können in den Livesituationen Bewegungen verfolgt und Details bei Bedarf nahe herangezoomt werden. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Sonderfunktionen, die ausgewählt werden können: REC-Raumschalter, grafische Darstellung des Raumes mit Kameraauswahl, automatisches Löschen der Aufnahmen mit Archiv, Simulationskörper Anschluss, Gegensprechen, Stress- und Audiozuspielung, Fremdgeräte-ON/OFF, Kameragruppensteuerung und Gesichtsverdeckung, Gerichtsverwertbarkeit und Prüfung. Diese Sonderfunktionen sind abhängig von der Aufgabenstellung des Trainings.

Weiterbildung im Live-Stream

Die Schulen können die Bilder entweder live streamen oder aufzeichnen, damit der Videomitschnitt später zur Verfügung steht. Ein weiterer Kanal im Nebenzimmer zeigt das Bild des interaktiven Whiteboards oder der Schüler-Tablets. Die Trainer können mithilfe eines Joysticks die Perspektive der Kameras ändern und so zum Beispiel dem Lehrer folgen, wenn er sich durch das Klassenzimmer bewegt, oder auf einzelne Schülergruppen zoomen.

Der Trainer kann im Nebenraum alle Kameras steuern und ausrichten. Bereits während der Aufnahmen können Markierungen in der Metadatenbank bei Situationen gesetzt werden, die im Nachhinein ausgewertet werden sollen.

Vom Nachbarraum aus können Unterrichtsbeobachter dem Lehrgeschehen nun zeitgleich sowie zeitversetzt folgen, ohne es maßgeblich zu beeinflussen. Lehramtsstudierende, Dozenten, Seminarlehrer, Referendare sowie Lehrkräfte können so den Unterricht proben oder beobachten und ihn anschließend wissenschaftlich analysieren. Das Feedback ist authentisch und differenziert, denn auch wenn die Schüler wissen, dass sie gefilmt werden, vergessen sie die Kameras schnell.

Optimiertes Lernen für Lehrer

Die Lösung richtet sich an Studierende, die sich im Rahmen ihrer Lehrerausbildung die Aufzeichnungen anschauen können. Neben den Lehrkräften, die die Lösung zur Supervision nutzen, findet die Lösung auch bei den Referendaren großen Anklang, die im Nachhinein das Bildmaterial zur Selbstreflexion analysieren.

Das Projekt läuft seit 2016 und weitere Klassenzimmer sind bereits in Planung. Zurzeit ist die Installation fest, allerdings sollen mobile Installationen folgen, damit auch Räume mit speziellen Anforderungen, wie zum Beispiel Chemielabore, die Lösung nutzen können.

Johannes Reentjes, Leiter für Technik und Entwicklung bei SuH, erklärt: „Wir entschieden uns vor allem für Axis-Kameras, weil sie reibungslos mit unserer Software zusammenarbeiten und somit eine lippensynchrone Aufzeichnung möglich war. Außerdem lassen sich die Kameras auch über Multi Capture V4 ansteuern und verfügen über XLR-Eingänge mit Phantomspeisung sowie HDMI- und HDSDI-Ausgänge. Wir konnten sie flexibel – je nach den Gegebenheiten – stehend oder hängend an Wänden oder Stativen anbringen.”

Erschienen in Ausgabe: 03/2018