Herr Müller, skizzieren Sie uns bitte einmal kurz die Geschichte der Winfried Müller GmbH.

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M. Müller: Wir sind mit unserem Betrieb in der 3. Generation. Gegründet wurde das Unternehmen in unmittelbarer Vorkriegszeit 1939 von meinem Großvater, Josef Müller. Während des Kriegs ruhten die betrieblichen Aktivitäten; sie wurden dann in den 50er-Jahren wieder aufgenommen. Es folgte die Übergabe auf meinen Vater und meinen Onkel. Sie führten den Betrieb unter der Firmierung Josef Müller & Söhne. In den 80er-Jahren erwuchsen aus dem Unternehmen zwei Firmen, einmal die Josef Müller & Söhne und als zweites Unternehmen der Betrieb Winfried Müller. Vor zehn Jahren wurde das Unternehmen von meinem Vater in einem Übergabezeitraum von zwei Jahren schließlich an mich übergeben.

Stand es immer fest, dass Sie den Betrieb eines Tages übernehmen würden?

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Ich hatte nie den Druck, dass ich ihn übernehmen muss. Mein Vater hatte mir freie Hand bei der Berufswahl gelassen. Nach einigen Überlegungen, in welche Fachrichtung es gehen sollte, entschied ich mich für die Elektrotechnik.

Meine Ausbildung absolvierte ich in einem anderen Elektrofachbetrieb. Ich konnte mich sofort für meine Tätigkeit begeistern. Rasch wurde mir klar, dass ich hier meine Zukunft sah. Nach der Gesellenzeit ging ich zum BFE in Oldenburg und habe dort zwei Jahre in Vollzeit meine Ausbildung zum Meister und Fachplaner für Elektro- und Informationstechnik absolviert. Dort habe ich sehr viel gelernt und die Basis für die Betriebsübernahme gelegt. Ich bin heute fest davon überzeugt, dass ein Betrieb ohne Meister nicht zu führen ist.

Warum sind Sie nach Oldenburg gegangen?

Einerseits wollte ich einmal weg von daheim, andererseits hat das BFE in Oldenburg einen exzellenten Ruf. Dass dieser Ruf der Realität entspricht konnte ich während meiner zweijährigen Ausbildung selbst erfahren. Ich habe dort sehr viel gelernt. Übrigens hat sich auch mein Vater dort ausbilden lassen.

Welches waren die unternehmerischen Schwerpunkte bei Betriebsgründung?

Im Grunde alle elektrotechnischen Arbeiten.

Gab es wesentliche Marksteine, die die unternehmerische Entwicklung und Geschichte geprägt haben?

Ja, die hat es gegeben. Ein Markstein war sicherlich die Übernahme des Unternehmens durch meinen Vater. Die Firma Josef Müller hatte überwiegend Industriekunden bedient. Bei der Unternehmensteilung hat mein Vater den Privatbereich übernommen, weil ihm hier vor allem das Thema Licht sehr viel Freude bereitet hat.

Darauf basiert auch unser heutiges Unternehmenskonzept. Wir leben von und mit Licht – gepaart mit innovativen Konzepten der Gebäudesteuerung. Anfang der 90er-Jahre erfolgte dann der Umzug in die neuen Räume. Damit einher ging der weitere Ausbau unseres Lichtgeschäfts.

P. Kohlhaas: Genau, war es vorher der klassische Einzelhandelsbetrieb, haben wir mittlerweile dieses Geschäft deutlich zurückgefahren. Stattdessen haben wir hier einen großen Showroom etabliert. Und natürlich planen wir Beleuchtung für unsere Kunden. Hierauf haben wir uns sehr stark fokussiert.

Wie schaut Ihre Kundenstruktur aus?

M. Müller: Wir sind im Privat- und Objektgeschäft gleichermaßen positioniert. Dabei hat es in den vergangenen Jahren durchaus eine Verlagerung gegeben, sodass wir den Objektbereich weiter ausbauen konnten, vor allem, wenn es um die Gebäudesteuerung geht. Beim Thema Licht ist der Privatbereich immer noch sehr hoch.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Wir haben zurzeit 13 Mitarbeiter und sind auch Ausbildungsbetrieb. Unseren Nachwuchs rekrutieren wir aus den eigenen Reihen. Man kann sich nicht über Fachkräftemangel beschweren, wenn man selbst nicht ausbilden möchte.

P. Kohlhaas: Dabei ermöglichen wir interessierten jungen Menschen, bei uns ein Praktikum zu absolvieren. Daraus konnten wir bereits den einen oder anderen Mitarbeiter gewinnen, der zunächst die Ausbildung bei uns gemacht hat und dann auch übernommen wurde. Mit dieser Praxis haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht.

Wie hoch ist die Fluktuation bei Ihnen im Betrieb?

M. Müller: Die gibt es bei uns praktisch nicht.

Was macht Ihren Betrieb für Azubis und Mitarbeiter attraktiv?

Wir sind ein kleines familiäres Unternehmen, in dem man sich wohlfühlen kann und dass gleichzeitig hochinteressante Tätigkeiten und Projekte bietet; bei uns können sich technik-affine Mitarbeiter ausleben. Standardprojekte führen wir kaum aus. Insofern ist der Arbeitsalltag unserer Mitarbeiter anspruchsvoll und abwechslungsreich.

P. Kohlhaas: Wir achten auch sehr darauf, dass jeder, der ein gewisses Faible für einen Aufgabenbereich hat, sich in diesem fortentwickeln kann und auch entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen bekommt. Unsere Mitarbeiter werden also kontinuierlich spezialisiert. Entsprechend werden sie dann auch später eingesetzt.

Welche Bereiche der Elektrotechnik deckt Ihr Betrieb nicht ab?

M. Müller: Wir haben uns komplett aus den Themen PV, Wärmepumpen und Automatisierungstechnik an Maschinen herausgehalten. Aktuell widmen wir uns stärker dem Thema Einbruchmeldetechnik; hier bauen wir sukzessive Know-how auf, weil wir dort einen großen Zukunftsmarkt sehen.

Welches sind für Sie die größten Wachstumsfelder?

Der Lichtbereich per se, die Sicherheitstechnik und natürlich die Gebäudesteuerung. Dabei sehen wir das Wachstum verstärkt im Gewerbebereich.

Wachstumspotenzial sehen Sie im Lichtbereich, während viele Ihrer Kollegen sich daraus verabschiedet haben, weil dieser Markt sich ja sehr stark auch in Richtung Möbelhäuser diversifiziert hat ...

P. Kohlhaas: Ja, das stimmt, aber Wissen ist hier die Macht. Viele Kollegen haben sich aus dem Thema verabschiedet, weil die Technik rasant vorangeschritten ist. Man muss sich mit Licht und Lichtsteuerung kontinuierlich befassen, um exakt beurteilen zu können, welche Lichtlösung für welchen Kunden die beste ist. Dazu bedarf es neben technischem Wissen auch einer gehörigen Portion Einfühlungsvermögen in ein zu planendes Objekt. Licht ist heute sehr beratungsintensiv. Technik, Lichtwirkung und alles, was unter dem Begriff „biologisches Licht“ zusammengefasst ist, gilt es zu berücksichtigen.

Licht kann den Biorhythmus von Mitarbeitern, Menschen in Krankenhäusern, Wohnungen und Häusern imitieren und beeinflussen, es kann dazu beitragen, weniger Fehler in der Produktion zu haben oder schneller zu gesunden. Es handelt sich also um ein sehr beratungsintensives Feld. Deshalb suchen wir beispielsweise bei einem Projekt frühzeitig den Dialog mit dem Architekten, um die geplante Architektur und die Nutzung der Räume kennenzulernen.

So können wir bereits sehr frühzeitig eine erste Planung erstellen, um danach mit dem Kunden ein Konzept zu erarbeiten und am Ende eine möglichst attraktive Lichtlösung zu realisieren. Die Vorarbeiten sind sehr wichtig, sie brauchen Einbautiefen, es müssen Betoninstallationen berücksichtigt werden und vieles andere mehr.

Dass heißt, Sie müssen frühzeitig den Architekten mit im Boot haben. Gelingt das immer?

Nicht immer, aber immer öfter. Das ist in der Tat unsere Herausforderung, der wir uns aber zunehmend erfolgreicher stellen. Wir möchten die Architekten für das Thema Licht sensibilisieren und begeistern. Deshalb laden wir diese Zielgruppe auch zu uns ein, um ihnen vor Ort die Möglichkeiten, die Licht in Gebäuden eröffnet, live zu präsentieren.

Wie weit reicht Ihr Kundenkreis?

Wir schlagen grob einen Kreis von 50 Kilometern um unseren Betrieb, haben aber auch schon Projekte am Bodensee oder in Hamburg realisiert. Für uns ist es wichtig, zum Kunden hinfahren zu können, um vor Ort zu sehen, ob unsere Planung auch so umgesetzt wird, wie wir es vorgesehen haben. Da wir nicht nur das Licht ein- und ausschalten, sondern Lichtszenarien schaffen, möchten wir am besten vor Ort die Kontrolle darüber haben, ob unsere Ziele erreicht werden.

Der Kunde bekommt von Ihnen alles aus einer Hand?

M. Müller: Das gestaltet sich in der Realität sehr unterschiedlich. Manchmal bekommt der Kunde, wenn er es will, alles aus einer Hand, ein anderes Mal sind wir nur planerisch tätig oder wir liefern lediglich die Produkte. Und natürlich kommt es auch vor, dass wir ausschließlich die Lichtinstallation vornehmen. Alles aus einer Hand ist uns natürlich am liebsten. Wenn wir lediglich planen, lassen wir uns diese Leistung natürlich vom Auftraggeber vergüten.

Alle reden über smarte Gebäude, wie viel Prozent der Projekte werden heute in Ihrem Umfeld bereits automatisiert?

Leider viel zu wenig, vor allem wenn sie von Dritten installiert werden. Es bestätigt sich immer wieder, dass viele für Licht- und Gebäudesteuerung nicht über das notwendige Know-how verfügen. Von zehn Projekten finden wir deshalb höchstens eines mit Bustechnik vor.

Wenn wir aber die Projekte realisieren, ist Bustechnik im Grunde immer Standard. Selbst wenn wir kleine Lösungen zu installieren haben, ziehen wir einen kleinen Dali-Bus aus, um das Licht zu dimmen und zu steuern. Die Vorteile liegen hier einfach auf der Hand. Bei Neubauten sehen wir zu, dass auf jeden Fall der KNX in Kombination mit Dali installiert wird.

KNX ist für Sie gesetzter Standard?

Ganz klar, wir setzen auf KNX. In diesem Zusammenhang finde ich es schade, dass die Elektroindustrie immer mehr mit Insellösungen auf den Markt kommt, statt noch konsequenter KNX zu forcieren. Hier versuchen wir entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten. Allerdings wird man, wenn sie etwa an Sprachsteuerungen denken, den KNX hier nicht abschotten können.

Frau Kohlhass, wie haben Sie sich mit Ihrem Bruder die Aufgabenbereiche im Unternehmen aufgeteilt?

Ursprünglich wollte ich Architektur studieren, nachdem ich bereits eine Ausbildung zur Raumausstatterin absolviert hatte. Während der Übergangsphase zum Studium habe ich im elterlichen Betrieb gearbeitet und rasch festgestellt, das mich das Thema Licht begeistert; so bin ich geblieben und widme mich heute der Beratung, Gestaltung und dem Verkauf im Lichtbereich. Als mein Bruder in den Startlöchern stand, um das Unternehmen zu übernehmen, hat sich die heutige Konstellation herauskristallisiert. Er ist Geschäftsführer, macht die Planungen im elektrotechnischen Bereich und ich habe den Lichtbereich übernommen und im Zuge dieser Entwicklung auch noch im Dial die Ausbildung zum Fachplaner Licht gemacht. Mein Part ist der Showroom, der Erstkontakt mit den Kunden, mit Architekten, Marketing, die Lichtplanung im Privatbereich, das heißt die Vorplanung der Lichtinstallation bis hin zur Übergabe an die Techniker.

Sie haben vor Kurzem eine Lightbox hier vor Ort errichtet. Welche Philosophie verbirgt sich dahinter?

Wir haben gespürt, wie stark sich die Lichttechnik verändert hat. Und im Zuge dieser Veränderung wurden völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten für Räume eröffnet. Irgendwann bemerkte ich, dass viele Kunden im Beratungsgespräch lediglich die Optik der Leuchte beurteilten, also „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“. Als Planerin habe ich aber viel mehr die Lichtwirkung als Leuchten und Lampen im Fokus. Die Versuche, Licht zu erklären, scheitern meist, weil dies zu abstrakt ist. Deshalb wollten wir ein Werkzeug schaffen, Licht in Anwendung zu zeigen, damit der Kunde Licht in allen Facetten erleben kann. Das ist jetzt in unserer Lightbox möglich.

Hier können wir die Möglichkeiten moderner Lichttechnik live demonstrieren, Farbstimmungen, Aktzentbeleuchtung sowie unterschiedliche Szenarien für die Allgemeinbeleuchtung. Dabei geht es nicht um die Leuchten, sondern ausschließlich um die Wirkung von Licht. Insofern verkaufen wir dem Kunden nicht die Leuchte, sondern das Licht selbst, also das Szenarium. Dabei spielt der Dialog mit den Kunden eine überragende Rolle. Wenn ich mit ihnen in der Lightbox stehe, kann ich schnell herausfiltern, welche Wünsche sie haben bzw. aufgrund des aktuellen Lichterlebnisses entwickeln.

Wie erfolgt dann im nächsten Schritt die Auswahl der Leuchten?

Ich lasse mir im ersten Schritt zunächst einmal erläutern, wie die Räume aussehen werden, also welche Böden werden ausgewählt, wie sehen die Wände aus, gibt es eine allgemeine Stilrichtung, die bevorzugt wird? Am Ende plane ich dann das Gesamtkonzept, wobei ich für die Grundbeleuchtung Geradlinigkeit bevorzuge und ab und zu einen Eyecatcher vorsehe. Die Grundbeleuchtung sollte sich, was die Leuchten betrifft, eher zurückhalten und einrichtungsunabhängig sein.

Wie offen ist der Kunde für ein solches Gespräch?

Es gibt Kunden, die sehr umfassend informiert sind und bereits eigene Ideen entwickelt haben. Und es gibt solche, die sich noch gar nicht mit dem Thema Licht beschäftigt haben. In der Lightbox, also durch das Erleben von Licht gelingt es aber immer häufiger, auch diese Kunden von einer modernen Lichtlösung zu überzeugen.

Spielt das Thema Energieverbrauch eine Rolle in der Beratung?

M. Müller: Nein, überhaupt nicht. Bei den Anschlussleistungen über die wir im Rahmen der LED-Technik heute sprechen, ist das Thema Energieverbrauch ohne Bedeutung. Auch das Thema Lebensdauer spielt keine Rolle, denn LEDs halten heute unglaublich lange. Das Thema Energieeinsparung spielt aber selbstverständlich bei energetischen Sanierungen eine große Rolle, also dort, wo beispielsweise Leuchtstofflampen gegen LEDs ausgetauscht werden. Dies betrifft natürlich hauptsächlich den Objektbereich.

Welches sind die aktuellen Trendthemen im Lichtbereich?

Im Objektbereich ist es ganz klar „Tunable White“, also die variable Lichttemperatursteuerung. Das ist im Moment das mächtigste Thema. Hierüber ist aktuell kaum ein Bauherr informiert, deshalb betreiben wir einen hohen Kommunikationsaufwand und wir machen es in unserer Lightbox erlebbar. Tunable White ist eine neue Dimension der Gestaltung mit Licht. Kunden, die es einmal erlebt haben, sind in aller Regel begeistert davon. Für uns als Elektrofachbetrieb ist Tunable White auch deshalb hochinteressant, weil es immer der Steuerung bedarf, also nicht nur an und aus, sondern ein Dali-System mit entsprechendem Know-how dahinter.

Wo sehen Sie die Zukunftsperspektiven für Ihr Unternehmen?

Wir möchten uns weiterentwickeln und wachsen – in der Alarmanlagentechnik wie auch in der Gebäudesteuerung und natürlich in unserem Kerngeschäft, der Lichttechnik. In der Lichttechnik verkaufen wir keine Marken und keine Einzelprodukte, sondern Lichtlösungen, die sich an den Wünschen unserer Kunden orientieren. Unser Fokus liegt darauf, die Firma Müller, also uns als Marke zu verkaufen. Dies ist sicherlich mit einer der Gründe gewesen, dass wir beim Markenpreis „Elmar“ zweimal den zweiten Platz belegten, worauf wir sehr stolz sind. Die Kunden sollen zu uns kommen, weil wir die Firma und die Marke Müller sind.

Frau Kohlhaas, Herr Müller, wir bedanken uns für das Gespräch mit Ihnen.