Wir helfen uns, wir helfen zusammen

Teil 6: Kooperation statt Konfrontation
20. Dezember 2001

Das Zukunftsmodell Kooperation fordert Ihre persönliche Offenheit, Ihre Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit. Wer Kooperationen leben will, muß sich auf neue Formen des Arbeitens, auf neue menschliche Beziehungen einlassen, muß auch die eine oder andere Ansicht und Einsicht auf den Kopf stellen. Aber das ist auch die Basis für Ihren künftigen Erfolg als Unternehmer und damit für das langfristige Bestehen Ihres Betriebes.

Das Umfeld fordert insbesondere die Fähigkeit zur Partnerschaft auf geschäftlicher Ebene. Hilf dir selbst heißt immer öfter - wir helfen uns, wir helfen zusammen. Natürlich wird im klassischen Handwerk der Zunftgedanke schon seit langer Zeit propagiert und auch mehr oder weniger gelebt. Aber den echten Durchbruch zur Kooperation wird erst die Einsicht bringen, daß der eigentliche Wettbewerber nicht drei Häuserblocks weiter sitzt, sondern in ganz anderen Sphären agiert.

Interessanterweise sind es gerade die Familienunternehmen, die die besten Voraussetzungen für Kooperationen mitbringen. Warum? Nun, die kleinen und mittelständischen Unternehmen haben über viele Jahrzehnte eine sehr eigene Kultur entwickelt. Die innerbetriebliche Zusammenarbeit mit dem Lebenspartner, mit den Junioren und Juniorinnen ist die beste „Spielwiese“, um die Mechanismen einer erfolgreichen Kooperation zu erlernen. Die Werte, die Familienbetriebe damit - auch für ihre Mitarbeiter - vorleben, sind es, die gerade im Zeitalter des E-Commerce und E-Business wieder an Bedeutung zunehmen. Die Gesellschaft entdeckt wieder die Werte Familie, Freundschaft und Treue: Alles Grundlagen für die erfolgreiche Zusammenarbeit gleichberechtigter Partner. Natürlich kennen wir gerade auch in diesen Betrieben den Typus des „Patriarchen“, den großen Boß, der keine anderen „Götter“ neben sich haben kann. Aber diese Spezies wird nun doch langsam, aber sicher seltener - manchmal sogar, weil auch Patriarchen dazulernen und die Zeichen der Zeit erkennen.

Kleine Betriebe sind schneller und flexibler

Machen Sie sich stark durch Zusammenarbeit. Der neidische Blick auf die Großen, die ja so viele Vorteile haben, gegen die wir Kleinen ja gar keine Chance haben - Sie kennen solche Sprüche? Nun, die Lösung liegt darin, die Größenvorteile wirksam zu machen und die Größennachteile zu vermeiden.

Die Großbetriebe versuchen längst, kleine Einheiten aufzubauen, damit sie so schnell und flexibel werden, wie wir Kleinen bereits sind. Denn Schnelligkeit, Flexibilität und Kundennähe sind echte Erfolgsfaktoren - und was das betrifft sind wir Kleinen den Konzernriesen auf jeden Fall voraus.

Und das bleiben wir auch dann, wenn wir durch Kooperationen versuchen, an die Vorteile von Größe heranzukommen. Die Basis konkreter Erfahrungen und Wissen verbreitert sich, jeder kann sich auf seine Kompetenzen konzentrieren und damit effizienter arbeiten, auch größere Aufträge können abgewickelt werden, weil sich die Kapazität insgesamt erhöht.

Investitionskosten können geteilt werden, das Marketing kann eventuell auch überregional angelegt werden, spezialisierte Mitarbeiter, die durch ihr Spezialkönnen Wettbewerbsvorteile schaffen, können ausgelastet werden. Die Liste läßt sich weiterführen. Kooperationen bündeln eine Menge von Potentialen.

Risiken minimieren: Checklisten helfen

Daß sie auch Risiken beinhalten, haben wir nun bereits dargestellt. Damit sie aber möglichst gering sind, haben wir hier noch einmal Checklisten zusammengestellt mit denen Sie die wichtigsten Knackpunkte prüfen können.

Dabei gilt es zunächst einmal, die eigene, sehr persönliche Position kritisch zu hinterfragen: Bin ich denn überhaupt gewillt, eine Kooperation mit all ihren Konsequenzen einzugehen? Bin ich der Typ für Partnerschaft, oder überwiegt der Einzelkämpfer in mir? Das sollten Sie ganz ehrlich mit sich selbst ausmachen, denn nurwenn Sie das abnicken, macht es Sinn, die weiteren Stationen zu prüfen. Der Fragebogen kann Ihnen dazu Hilfestellung geben.

Nächste Stufe wäre der kritische Blick in den eigenen Betrieb. Ist mein Unternehmen schon „reif“ für eine Kooperation? Müssen noch einige Punkte geklärt werden? Könnte es vor dem Hintergrund der derzeitigen und künftigen Lage sinnvoll sein, über eine freundliche Übernahme durch ein größeres Unternehmen nachzudenken? Die Liste der Fragen bietet Ihnen Anhaltspunkte, kann aber natürlich nur generelle Dinge berücksichtigen. Hier ist der Einzelfall immer im Auge zu behalten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2001