Wirtschaftlich durch den Winter

Heizen mit Strom lohnt sich immer mehr

Ganz ohne Heizung geht es nicht - zumindest nicht in unseren Breitengraden. Selbst Energiesparverordnungen, die sicherlich immer restriktiver ausfallen werden, kommen um diese Tatsache nicht herum. Ein entscheidender Aspekt ist jedoch die Heizenergie, die eingesetzt werden soll. Zwischen Öl, Gas und Strom finden tatsächlich immer noch Glaubenskriege statt. Dabei ist Strom eine echte Alternative.

16. April 2001

Es gibt in der Tat viele Argumente „pro & contra“ der verschiedenen Energien. Bei der Entscheidung für eine neue oder zu renovierende Heizung sollte man aber zunächst drei wesentliche Punkte berücksichtigen: die Kosten, die Umweltgerechtigkeit und die Verfügbarkeit. Eines steht auf jeden Fall fest: Nach dem letzten, dem so genannten vierten Ölpreisschock sind die Kosten für diesen Energieträger um rund 40 Prozent gestiegen. Auch wenn diese Preise wieder einmal fallen sollten - eine Garantie fürs Ausbleiben weiterer Schocks wird kein vernünftiger Mensch geben wollen.

Wer mit Öl (oder mit Gas) heizen will, muß obendrein mit hohen Investitionskosten rechnen. Diese können bei 20.000 Mark und mehr liegen. Diese Kosten und mittelfristig kaum kalkulierbare Ölpreise tragen wenig zur Planungssicherheit bei. Allgemein bekannt ist, daß die hohen Ölpreise auf drei unterschiedlichen Faktoren beruhen. Die Beschränkung der Opec-Fördermengen trägt nämlich ebenso zur Preissteigerung bei wie der derzeitige hohe Dollarkurs und natürlich auch wie die Ökosteuer.

Liberalisierung des Strommarktes: Die Preise sinken

Andererseits sind seit der Liberalisierung des Strommarktes die Preise für Energie aus der Steckdose zum Teil gehörig in den Keller gerutscht. Wer sich im Dschungel der Tarife, Grundpreise, Zählermieten und Vertragsbedingungen nicht verirrt, kann jährlich bis zu Hunderten von Mark sparen.

Billigstrom, etwa von Yello oder Avanza, zwingt „herkömmliche“ Stromlieferanten zu günstigeren Angeboten. Heute schon liefern regionale Versorger den Strom noch billiger. Langfristig, so urteilen Experten, werden sich aber die Strompreise der einzelnen Anbieter einander wieder annähern und stabilisieren - auf niedrigem Niveau.

Diese Entwicklung und die Niedrigenergiehäuser, die aufgrund der Energiesparverordnungen gebaut werden, sowie moderne elektrische, intelligente Heizsysteme, für die immer weniger Energie eingesetzt werden muß, machen vor allem eine Form der Stromnutzung noch attraktiver: die Heizung.

Stromheizungen schneiden im Vergleich gut ab

Das trifft für die Elektroheizung, auch kombiniert mit Lüftung und Wärmerückgewinnung, ebenso zu wie für die Nutzung von Umweltwärme mit der elektrisch betriebenen Wärmepumpe - derzeit die effizienteste Nutzung der Solarenergie. Bei Vergleichsrechnungen mit den neuen günstigen Strompreisen schneiden die Stromheizungen gegenüber Zentralheizungen mit fossilen Brennstoffen jetzt noch besser ab. Legt man Strompreise von Anfang dieses Jahres zugrunde, so kostet etwa die dezentrale Elektrospeicherheizung bei einem freistehenden Einfamilienhaus mit 120 bis 150 m² Wohnfläche in Niedrigenergiebauweise annähernd gleich viel wie die Zentralheizung mit Öl- oder Gasbrenner.

Doch die in den letzten Monaten extrem gestiegenen Ölpreise haben bereits die Betriebskosten zugunsten der Elektrospeicherheizung verändert. Deutlich günstiger gegenüber der Öl- und Gasheizung liegt das System mit dezentraler Elektroheizung und Lüftung. Dabei wird die frisch hereinkommende Luft über einen Wärmetauscher geführt und mit der Wärme der Abluft auf Zimmertemperatur gebracht, was Wärmeverluste ebenso verhindert wie die Vermeidung langer Leitungen von der zentralen Wärmeerzeugung bis zum Verbrauchsort.

Diese Berechnungen gelten für moderne Geräte mit exakt bedarfsgerechter elektronischer Steuerung, wie sie beispielsweise Dimplex anbietet.

Energie, die aus der Umwelt kommt

Mit Abstand am günstigsten fährt man jedoch mit Heizenergiegewinnung aus der Umwelt: Eine elektrisch betriebene Wärmepumpe benötigt eine Kilowattstunde Strom, um die im Erdreich gespeicherte Sonnenenergie in bis zu fünf Kilowattstunden Heizenergie umzuwandeln. Damit reduziert sich der Quadratmeterenergiepreis auf etwas über fünf Mark im Jahr. Er liegt damit drastisch unter den Kosten einer Gas- und Ölzentralheizung. Die Installation von Wärmepumpenanlagen wird im Übrigen vom Bund gefördert. Genauere Informationen darüber gibt es im Fachbetrieb.

Für wen lohnt sich die Stromheizung?

Generell profitieren „Vielverbraucher“ wie Familien mit einem Stromverbrauch von mehr als 3.500 kWh/Jahr deutlich mehr von den neuen Stromtarifen als kleinere Haushalte mit einem Verbrauch von 1.500 kWh/Jahr, denn die vergleichsweise hohen monatlichen Grundpreise amortisieren sich erst bei höheren Verbräuchen.

Gerade bei dieser Heizung können jedoch auch Singles die günstigen Preise nützen: Mit der Stromheizung erhöht sich der Verbrauch, die relativen Kosten verringern sich. Weitere Heizkosten sowie Aufwendungen für die Wartung von Heizanlagen fallen dafür weg. Zusätzlich attraktiv wird der Umstieg durch niedrige Anschaffungs- und Installationspreise: Ein Stromanschluß genügt, größere Umbauten entfallen und bei Neubauten kann man auf den Heizkeller und die Verlegung von zusätzlichen Leitungen verzichten, denn Stromleitungen müssen schließlich sowieso verlegt werden.

Wegen ihres hohen Wirkungsgrades ist die Heizung mit Strom die ideale Heizform für das Niedrigenergiehaus. Denn die Niedrigenergiebauweise, die Wärmeverluste durch optimierte Isolierung und hohe Dichtigkeit etwa der Fenster vermeidet, braucht auch eine Heizung mit geringen Wärmeverlusten.

Fossil befeuerte Zentralheizungen mit niedrigeren Wirkungsgraden, langen Leitungen bis zu den Verbrauchsorten und daher verhältnismäßig hohem Energiebedarf können, wie Untersuchungen gezeigt haben, in einem Niedrigenergiehaus meist gar nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Energiebewußt: elektrische Direktheizung

Energiebewußt und komfortabel zugleich ist das Heizen mit einer elektrischen Direktheizung, etwa mit Wärmewellenheizgeräten. Vorteil der Heizgeräte mit der optimierten Wärmeabstrahlung: Es wird nur genau da und dann geheizt, wo und wenn Wärme wirklich benötigt wird. Geringe Anschaffungspreise und Installationskosten sprechen ebenfalls für die Direktheizung, die sich durch die neuen Stromtarife noch schneller als bisher amortisiert.

Die Direktheizung, etwa mit thermostatgesteuerten Wandkonvektoren oder komfortablen Schnellheizern und Handtuchtrocknern im Bad, empfiehlt sich aber auch als Energie sparende Ergänzung zur „normalen“ Heizung, beispielsweise in der Übergangszeit oder in Räumen, die nicht ständig genutzt werden - durch die günstigeren Strompreise noch mehr als bisher.

Umwelt profitiert von CO2-freien Energiequellen

Gerade beim Heizen profitiert die Umwelt von der Liberalisierung im Strommarkt in mehrfacher Hinsicht. Zum einen werden zur Stromerzeugung auch CO2-freie Energiequellen genutzt, die zudem wie die Wasserkraft erneuerbar sind - und dies in zunehmendem Maße, denn immer mehr Anbieter von „grünem“ Ökostrom drängen auf den freien Strommarkt.

Zum anderen kommt der wirtschaftlichere Umgang mit Heizenergie, wie ihn etwa die Wärmepumpe ermöglicht, der Umwelt direkt zugute. Experten rechnen langfristig damit, daß Energieträger wie Wasser, Wind und Sonne, die immer mehr für die Stromgewinnung eingesetzt werden, sogar einen hohen Beitrag zur Stabilisierung der Energiepreise leisten können.

Fazit

Mehr denn je lohnt sich also jetzt das Heizen mit Strom - für „viel verbrauchende“ Familien ebenso wie für kleine Haushalte, für Komfort- und Preisbewußte - und für die Umwelt. Für Elektrofachbetriebe gibt es also wertvolle Argumentationshilfen im Kundengespräch.

Erschienen in Ausgabe: 01/2001