Wirtschaftliche Lösung

Einkabel-Systeme für Gemeinschaftsanlagen

Die Anzahl der deutschsprachigen digitalen Fernseh- und Radioprogramme, die entweder unverschlüsselt oder codiert via Satellit gesendet werden, nimmt stetig zu. Um diese Programmvielfalt nutzen zu können, muß die heute noch vorwiegend analoge Empfangstechnik jedoch auf den digitalen Standard umgerüstet werden. Möglich ist dies beispielsweise mit digitalen Einkabel-Systemen, die insbesondere für Gemeinschaftsanlagen eine preiswerte Lösung bieten.

16. November 2003

Digitale Einkabel-Systeme sind vor allem für den Einsatz in Gemeinschaftsanlagen mit Baumstruktur geeignet, können aber ebenso in Anlagen mit Etagen- oder Sternverteilung verwendet werden. Eine Neuverkabelung ist - anders als bei einer Sat-ZF-Sternverteilung - nicht erforderlich. Allerdings müssen die Koaxialkabel digitaltauglich sein, das heißt den Frequenzbereich von 950 bis 2150 MHz abdecken. Auch die installierten Antennendosen können weiterhin verwendet werden, sofern diese Dosen keinen Gleichspannungsdurchgang besitzen.

Einkabel-Systeme lassen sich problemlos an der Wand montieren. Der Einbauort muß jedoch vor der Witterung geschützt sein und über einen Zugang zum Koaxialkabel vor der ersten Antennendose sowie einen 230-Volt-Stromanschluß verfügen. Bei größeren Gemeinschaftsanlagen mit vielen Teilnehmern und längeren Kabelstrecken können zusätzlich digitaltaugliche Nachverstärker eingesetzt werden.

Um eine stets hohe Signalqualität zu gewährleisten, sollten die Satellitenantenne der Gemeinschaftsanlage einen Durchmesser von mindestens 85 Zentimetern besitzen. Für die exakte Ausrichtung empfiehlt es sich, ein Pegelmeßgerät zu verwenden. Dabei ist darauf zu achten, daß sich keine Objekte zwischen Antenne und Satellit befinden.

Da Einkabel-Syteme wie etwa das CEF 211 D von Hirschmann einen 22-kHz-Generator sowie eine 14/18-Volt-Umschaltspannung besitzen, können nicht nur alle gängigen digitaltauglichen Universal-LNBs (Low Noise Blockkonverter) eingesetzt werden, sondern ebenso digitale Twin-, Quatro- und Quatro-Switch-LNBs. Für den Anschluss sollten allerdings nur speziell für den Einsatz im Außenbereich geeignete F-Stecker benutzt werden, das heißt Stecker gemäß Schutzart IP67.

Empfang digitaler Astra-Programme

Über die digitalen Sat-Eingänge des Einkabel-Systems werden sowohl die horizontalen als auch die vertikalen Frequenzbereiche aus dem High-Band des Satellitensystems ASTRA (Orbitalposition 19.2° OST), wo sich derzeit die wichtigsten digitalen deutschsprachigen Programme befinden, mittels spezieller Eingangsfilter auf einen gemeinsamen Ausgang zusammengeschaltet. Ein weiterer Eingang, der den Frequenzbereich von 47 bis 862 MHz abdeckt, ermöglicht zusätzlich den Empfang terrestrisch ausgestrahlter Fernseh- und UKW-Radioprogramme.

Da Einkabel-Systeme nicht mit Frequenzversatz arbeiten, also die Frequenzen bei der Zusammenschaltung auf den Ausgang des Systems nicht verändert werden, ist es in der Regel nicht erforderlich, die vorprogrammierten Programmlisten der (digitalen) Sat-Receiver zu aktualisieren. Die verfügbaren Programme werden aber ebenso im Sendersuchlauf der Geräte erkannt. Auch Premiere-Programme können mit entsprechenden Receivern empfangen werden.

Umsetzung weiterer Transponder

Mit zusätzlichen Frequenzumsetzern wird es künftig möglich sein, nicht nur weitere Transponder aus dem Frequenzbereich von Astra umzusetzen und in den freien Frequenzbereich der digitalen Einkabel-Systeme zu integrieren, sondern ebenso Transponder anderer Satellitensysteme wie beispielsweise Hot Bird. So lassen sich etwa digitale Programme bzw. Programmpakete, die in verschiedenen Sprachen gesendet werden, via Einkabel-System verteilen. Da diese Programme häufig codiert sind, benötigen die Teilnehmer allerdings Receiver mit Schnittstellen für CA-Module (Conditional Access / CA) sowie die entsprechenden freigeschalteten Smartcards.

Fazit:

Einkabel-Systeme stellen eine praktische und preiswerte Lösung dar, um die digitale Programmvielfalt via Satellit in die Wohnzimmer von Gemeinschaftsanlagen zu bringen. Denn im Gegensatz zu einer Sat-ZF-Sternverteilung ist keine aufwendige und teure Neuverkabelung erforderlich. Ganz abgesehen davon dürfte es aus baulichen Gründen oft nicht möglich sein, jeden Receiver einer Anlage über ein eigenes Koaxialkabel anzuschließen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2003