Wo geht's hier raus?

Von grünen Männchen, die auf rettende Türen zu laufen

Notbeleuchtung ist der übergeordnete Begriff für den Fall, daß die allgemeine künstliche Beleuchtung versagt. Notbeleuchtung braucht deshalb eine eigenständige Energieversorgung: Einzelbatterie, Gruppenbatterie, Zentralbatterie, Aggregate oder ein besonders gesichertes Netz. Notbeleuchtung gliedert sich in Sicherheitsbeleuchtung und Ersatzbeleuchtung. Sicherheitsbeleuchtung unterscheidet: Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege, Antipanikbeleuchtung und Sicherheitsbeleuchtung für Arbeitsplätze mit besonderer Gefährdung.

14. August 2003

... und läuft und läuft und läuft. Halt. Hier geht& pos;s um die Ecke, die Richtung ändert sich. ...und läuft und läuft und läuft. Achtung: Kreuzung der Flure/Gänge ...und läuft und läuft...Die Rede ist von einem inzwischen vertrauten grünem Männchen, das früher weiß war und auf die rettende Tür zu lief. Heute ist es auf Geheiß von Brüssel grün, ist in der hellen Tür angekommen, rennt weiter... der Richtung des Pfeils folgend.

Dieses Rettungszeichen-Piktogramm hat sich das rettende Ziel erkämpft, so wie die Sportler auf der Olympiade 1972 in München. Seither sind Piktogramme übrigens en vogue. Viele wurden von Otl Aicher entworfen. Als Gestaltungsbeauftragter für die genannten Olympischen Spiele leistete er einen bedeutenden Beitrag auf dem Gebiet der visuellen Kommunikation.

Die Geburt des Rettungszeichen-Piktogramms hat sich den Recherchen nur zögerlich erschlossen. Es geht mal wieder um die Frage: wer war zuerst da, die Henne oder das Ei. Fest steht, daß Otl Aicher ein Hinweiszeichen zur Notbeleuchtung entworfen hatte, ein Piktogramm. Das Original des Otl Aicher-Piktogramms liegt zusammen mit allen seinen Piktogrammen und mit allen Rechten bei der Erco GmbH.

Die ersten grünen Männchen

Bei Erco kann man heute Hinweis- und Rettungszeichenleuchten und Hinweis-und Piktogrammleuchten erwerben. Ein spezifiziertes Sortiment, zum Teil nach DIN 5035 mit Erkennungsweite nach DIN 4844. Auf Wunsch werden Leuchten mit Rettungszeichen gemäß DIN 4844 oder Piktogrammen nach Euronorm geliefert.

Bei der Firma Gira in Radevormwald hängen im Neubau die Hinweis-Leuchten mit Acrylplatte und Alurahmen in Einbausituationen. Alle Leuchten tragen jetzt die Fluchtweg-Symbole aus dem Aicher-System. Diese Ausführung muß dann immer individuell genehmigt werden bei den Brandversicherungen. Und es muß eine Abnahme durch Feuerwehr und Brandschutzbeauftragten erfolgen.

Interessant und wissenswert ist dabei, daß das Männchen nicht überall die absolut selben Maße haben muß, also der Durchmesser des Köpfchens kann schon mal einen halben Millimeter geringer sein als bei einem anderen Hersteller. Aber die starke Ähnlichkeit, die Wiedererkennbarkeit und die Verhältnisse der Körperproportionen müssen stimmen. Auch die Sicherheitsfarbe grün zur Kontrastfarbe weiß soll eingehalten werden. Das Prinzip also ist vorgegeben. Ansonsten kann sich hier jeder Hersteller mit Erfolg von seinem Konkurrenten abheben.

Es scheint nicht geklärt zu sein, wie lange es einen sogenannten Bestandschutz für das weiße Männlein gibt oder geben wird. In den Unterlagen der BG stehen beide Zeichen parallel. Dabei ist sicher überzeugend, daß bei Neubauten das grüne Männlein im gesamten Gebäude eingesetzt wird, bei Reparaturen oder Renovierungen zum Beispiel wird man das weiße mit dem weißen ersetzen. Aber: eine verbindliche Regelung scheint es hier noch nicht zu geben. Eine authentische Begebenheit zum Schmunzeln: Ein Männchen lag bei einer Weinauktion in Kloster Eberbach im Rheingau weinselig in rötlicher Farbe auf dem Boden - der Pfeil aber zeigte in die richtige Richtung.

Was das Männchen beachten muß

Es muß Abstand halten. Es muß im Prinzip die vorgeschriebenen Maße haben, das vorgeschriebene Grün. Es darf hinterleuchtet oder beleuchtet beziehungsweise angestrahlt sein. Rettungszeichenleuchten berücksichtigen alle in der praktischen Anwendung erforderlichen Montagearten: Deckenanbau, Deckeneinbau, Pendelabhängung, Wandanbau, Wandausleger und Wandausleger mit Einbau-Elektronikbox. Es muß sich immer mindestens zwei Meter über dem Boden zeigen, an jeder im Notfall zu nutzenden Ausgangstür und an vorgeschriebenen Notausgängen und Sicherheitszeichen. Nahe (maximal zwei Meter Abstand) von jeder Niveauänderung und Treppen, um jede Treppenstufe direkt zu beleuchten. Ebenso bei jeder Erste-Hilfestelle und jeder Brandbekämpfungs- oder Meldeeinrichtung.

Die Gleichmäßigkeit der Sicherheitsbeleuchtung für Rettungswege muß gewährleistet sein; denn bedingt durch die Trägheit des Auges wird die Erkennbarkeit von Hindernissen oder Rettungswegverlauf bei zu hohen Hell-/Dunkel-Unterschieden beeinträchtigt. Vorschrift: Gleichmäßigkeit & t; 40:1. Unterschiedliche Beleuchtungsstärke wird gefordert für Rettungswege und Antipankikbeleuchtung, für Arbeitsstätten und für Rettungswege und Antipanikbeleuchtung in Arbeitsstätten. Die Erkennungsweite für Rettungszeichen sind festgelegt nach DIN EN 1838. Sie ist unterschiedlich bei hinterleuchteten und bei angestrahlten Zeichen.

Rette sich, wer kann

So, das war schon mal eine Norm. Naja, und noch ein paar erwähnte ISO& pos;s. Man darf sich von den zahlreichen Vorschriften einfach nicht beeindrucken und unterkriegen lassen. Der (Elektro-) Fachplaner muß seinem Kunden die schwer verdauliche Kost schmackhaft machen. Sie sind alle keine Wollust: die europäischen Richtlinien, die deutschen Gesetze, das Bau- und Arbeitsschutzrecht, DIN-Normen, BG-Vorschriften und BG-Regeln. Was ist im konkreten Fall einzusetzen?

Klar, das ist ein Thema, an das keiner so richtig dran mag. Der Planer darf seinem Kunden keine Angst vor so überwältigenden und für ihn überhaupt nicht durchschaubaren Vorschriften machen. Vorschriften haben meistens ihre einsehbare Berechtigung. Sie müssen eingehalten werden. Spätestens bei Bauabnahme kann das dicke Ende kommen und die Erkenntnis: hätte ich das doch gleich beachtet und eingebaut. Nachrüsten wird immer teuer. Ganz wichtig für Planer und Bauherrn: sich vor Ort informieren. Zum Beispiel: was steht im Bauschein? Wie lauten die Bestimmungen, die von Ort zu Ort und von Land zu Land unterschiedlich sein können. Und dann kennen Sie ja DIN VDE 0108 von 10/89 Teil 1. Es gilt: machen Sie es heute. Das spart Geld, Aufregung und Ärger.

Die Kosten der Sicherheitsbeleuchtung sollte der Planer seinem Kunden fairerweise vorlegen. Eine überschlägige Grafik & uot;Kosten der Sicherheitsbeleuchtung& uot; gibt hier vielleicht einen guten Tip. Daraus geht auch hervor, daß es mit der einmaligen Einrichtung der Sicherheitsbeleuchtung im Budget nicht erledigt ist. Auch die Betriebskosten müssen berücksichtigt werden. Wie kann man diese minimieren? Hersteller wie zum Beispiel der Marktführer CEAG gibt da gute Anregungen. Die Thematik Prüfung, Wartung, Instandhaltung muß beachtet werden.

Daß die Notbeleuchtung heute kein lichttechnisches Aschenputteldasein mehr führt, ist u.a. auch dem Unternehmen Dr. Ing.Willing zu danken. Die langjährige Entwicklungsarbeit einer neuen Rettungszeichenleuchte wurde bei der diesjährigen Design-Preisverleihung des international renommierten iF award 2003 gekrönt. Hier wurde eine Arbeit belohnt, die eine Herausforderung darstellte: der Einsatz von Leuchtdioden als Leuchtmittel in Rettungszeichenleuchten, wobei die Regelkonformität oberste Priorität der Entwicklung hatte.

Fazit:

Ob nun aus dem Aicher Piktogramm, das nicht zu schützen war, oder von NN das DIN-Männchen hervorgegangen ist, bleibt geheimnisvoll. Das DIN-Männchen ist durch zahlreiche Ausschüsse hindurchgewandert, dann aber wohl 1987 hervorgegangen aus ISO 6309. Diese Rettungszeichen haben sich auf Grund intensiver nationaler und internationaler Forschungen in Bezug auf Erkennbarkeit und Interpretationseindeutigkeit durchgesetzt und sind auch auf internationaler Ebene durch ISO/DIS 3864-1 und ISO/DIS 7010 eingeführt.

Erschienen in Ausgabe: 05/2003