Das junge Paar stammt aus der Region und wollte auf einem schönen, 3.000 m2 großen Bauplatz in ruhiger Lage am Ortsrand sowie angrenzend an landwirtschaftliche Flächen bauen. Nachdem alle Genehmigungen vorlagen, ging es an die Detailplanung. Wie ihr Haus aussehen sollte, hatten die Bauherren schon weitestgehend im Kopf. Offenes, lichtdurchflutetes Wohnen schwebte den Bauherren vor, daher entschieden sie sich für Raumhöhen von 2,70 m sowie große Fensterflächen. Da kein Dachboden eingebaut wurde, erstreckt sich das Obergeschoss sogar bis zu 4,60 m in die Spitze; auf alt gebürstete Eichenbalken verleihen zusätzlichen Charme. Luftig und hell wirkt somit das Innere, insgesamt stehen 310 m2 Wohnfläche zur Verfügung. Außen sind alle Anbauten, die aus dem Baukörper herausragen, mit einer Holz-Rhombusschalung verkleidet – wie Würfel sind sie an das weiß verputzte Haus mit Satteldach angedockt und setzen einen raffinierten Akzent.

Ein ehrgeiziges Projekt

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Mit einer guten Portion handwerklichem Geschick ausgestattet und mit viel Ehrgeiz ging es über anderthalb Jahre jedes Wochenende und fast jeden Abend auf den Bau. Gegen Ende der Bauzeit werkelte die Bauherrin sogar mit Babybauch vor Ort. Das Fundament wurde selbst ausgehoben und gegossen, dann wurden die Wände gestellt. Das Haus ist eine Balkenlage, die mit Schwalbenschwanzverbindungen zusammengehalten wird. Auf der Innenseite ist eine USB-Platte angebracht, die als diffusionsdichte Schicht fungiert. Isoliert wird mit Holzwolle. Die Gipsplatten innen wurden mehrfach gespachtelt und geschliffen. Nach außen hin schließt die Konstruktion mit einer Putzträgerplatte ab.

„Wir haben bewusst in allen Schichten Chemikalien vermieden“, erklärt der Bauherr weiter. „Aus Überzeugung, wegen der angenehmen Wohnatmosphäre und weil wir ein wohngesundes Haus wollten.“ Den Innenausbau hat das Paar selbst geleistet, sogar die Dachziegel haben sie verlegt. Auf dem Dach wurde anschließend eine PV-Anlage installiert. Zwei Hallen in direkter Nachbarschaft gehören zum Grundstück und sind ebenfalls mit PV ausgestattet. Die Leistung der gesamten PV-Anlage beträgt 50 kW.

In Kombination mit einem 10-kwh-Batteriespeicher laufen im Jahr nur ca. 3 – 400 Euro Stromkosten für das gesamte Haus auf. Beheizt wird über eine Stiebel-Eltron LWZ-504-Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einem 300 Liter Pufferspeicher und einer integrierten Wohnraumlüftung. Damit erreicht das wohngesunde Holzhaus den KfW-Standard 55.

KNX vernetzt alle Komponenten

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„Fest stand für mich von Anfang an, dass wir die Basis für eine moderne Hausautomatisierung legen, denn das ist die Zukunft. Wenn ich darauf in einem Neubau verzichte, dann baue ich gleich eine Wertminderung ein“, ist sich der Bauherr sicher. Das kabelgebundene, herstelleroffene KNX-System vernetzt alle Komponenten und Steckdosen im Haus, parallel zu den Stromleitungen wurden die entsprechenden Steuerleitungen, etwa drei Kilometer Kabel, mit verlegt. „Noch nutzen wir im Grunde nur die wichtigsten Basisfunktionen, aber wir können problemlos neue Automatismen und Funktionen definieren und programmieren lassen. Und dazu müssen keine Wände mehr aufgerissen werden.“ Als Spezialisten für die Gebäudetechnik haben die Bauherren den Systemintegrator Klaus Geyer hinzugezogen. Er hat die Detailplanung in Abstimmung mit dem Bauherrenpaar übernommen sowie die spätere Programmierung.

„Eine kabelgebundene Lösung war uns zudem lieber als Funk“, erklärt die Bauherrin ihre Überlegungen. „Ein Punkt, der auch mich überzeugt hat, ist, dass man das Schlafzimmer nachts komplett stromlos schalten kann.“ Das „Gehirn“ des KNX-Systems ist ein X1-Server. Hier laufen alle Informationen zusammen, werden ausgewertet und Befehle an die einzelnen Aktoren weitergegeben.

Aktuell sind die Lichtsteuerung, Jalousien, die Wetterstation, Heizung, Kameras und Präsenzmelder eingebunden. Auf einen Tastendruck werden komplette Lichtszenen wie „Kochen“, „Fernsehen“ oder „Relax“ abgerufen, praktisch ist die Funktion „alles aus“ an der Haustür, mit der im kompletten Gebäude das Licht gelöscht wird. In den Fluren und im Technikraum schaltet das Licht automatisch dank der installierten Präsenzmelder, ein manuelles Ein- bzw. Ausschalten entfällt.

Die Jalousien sind in Gruppen kombiniert und müssen so nicht einzeln bewegt werden. Eine Taste auf den Tastsensoren steuert beispielsweise alle Jalousien im Erdgeschoss. Meldet die Wetterstation auf dem Dach zu viel Wind, fahren die Jalousien automatisch wieder hoch. Zudem ist eine Zeitsteuerung hinterlegt, d. h., abends wird zu einer definierten Uhrzeit verschattet, morgens lassen die Jalousien wieder Sonne ins Haus. Selbst die Fußbodenheizung ist Teil des KNX-Systems. So können individuelle Temperaturen für jeden einzelnen Raum definiert werden. Selbstverständlich lässt sich all dies auch aus der Ferne bedienen über die Smart Home App. Ist die Familie im Winterurlaub, fährt sie einfach am Vorabend der Rückkehr die Heizung wieder hoch. Übers Tablet oder Smartphone lassen sich zudem alle Leuchten schalten bzw. dimmen oder die Jalousien betätigen. Über Kameras kann jederzeit nach dem Rechten gesehen werden.

Vernetzte Rauchwarnmelder

„Auch den Druckwächter am Kamin haben wir integriert“, berichtet Systemintegrator Klaus Geyer. „Ist der Ofen in Betrieb, wird automatisch die Lüftung deaktiviert.“ So wird ein Unterdruck im Wohnraum und die damit verbundene Rauchentwicklung vermieden. Vernetzte Rauchwarnmelder sorgen ebenfalls für Sicherheit, sie alarmieren im Notfall überall im Haus. „Diesen Notruf könnte man später auch noch ans Handy weiterleiten lassen oder unabhängig davon die Gartenbewässerung automatisieren“, freut sich der Bauherr über künftige Erweiterungen.

Das junge Paar mit seinem Baby entspannt in die Zukunft blicken: Sein Haus ist technisch bestens gerüstet für alles, was ein Smart Home später noch leisten sollte.