Würdevolles Wohnen im Hospiz

Klima/Lüftung

Schütz. Das Beispiel Hospiz St. Thomas in Dernbach zeigt die gelungene Integration eines kontrollierten Lüftungssystems, das sich harmonisch in die Gebäudearchitektur einfügt und sämtliche Anforderungen hinsichtlich Hygiene und Komfort erfüllt.

06. September 2018
© Schütz GmbH & Co. KGaA / Hospiz St. Thomas
Bild 1: Würdevolles Wohnen im Hospiz (© Schütz GmbH & Co. KGaA / Hospiz St. Thomas)

Der Begriff Hospiz leitet sich vom Lateinischen für Gastfreundschaft ab. Einen Ort der gastfreundlichen Aufnahme für Schwerstkranke zu schaffen, um sie bis zum Lebensende in würdevollem Rahmen betreuen zu können.

Genau dies setzte sich das Unternehmen Katharina Kasper Hospiz 2014 zum Ziel. Und bereits im Sommer 2017 wurde mit der Einweihung des stationären Hospizes St. Thomas in Dernbach das Ziel erreicht, obwohl für Hospiz-Neubauten keine öffentlichen Fördermittel bereitstehen. Genauso wie übrigens der Unterhalt keine vollständige Kostendeckung durch Kostenträger erfährt. Dass die Unterbringung und Pflege der schwerstkranken Sterbenden kostenfrei möglich bleibt, ist großzügigen Spendern zu verdanken.

Heimelige Atmosphäre

Das Hospiz St. Thomas bietet damit nun die Möglichkeit, die letzte Lebensphase in familiärer und wohnlicher Atmosphäre zu verbringen. Der Neubau bietet Raum für acht Zimmer sowie einen Gemeinschaftsbereich und wird von der Huf Haus typischen Fachwerkarchitektur aus Holz charakterisiert. Großzügige Glasflächen lassen warmes Tageslicht herein und schaffen ein lichtdurchflutetes Ambiente, das mit den warmen und hellen Tönen des Farbkonzeptes harmoniert. Gerade Einrichtungen wie ein Hospiz stellen aufgrund ihrer spezifischen Rahmenbedingungen besonders hohe Anforderungen an ein frisches, gesundes und hygienisches Raumklima.

Temperatur und Luftqualität haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Gäste wie auch des Pflegepersonals. So musste ein permanenter Luftaustausch mit den für Krankenzimmer typischen Luftmengen nach DIN 1946-4 gewährleistet werden. Darüber hinaus ging es den Planern um eine gleichmäßige Frischluftverteilung bei minimalem Energieverbrauch. Auch sollte die Lüftung absolut zugfrei und geräuschlos realisiert werden. Und all dies natürlich auf der Basis höchster Anforderungen an Temperaturkomfort und Lufthygiene.

In Kombi mit dem Boden

Die Bauherrschaft entschied sich für das Komplettsystem Airconomy von Schütz, da es die klassische Warmwasser-Fußbodenheizung mit kontrollierter Be- und Entlüftung und Wärmerückgewinnung kombiniert. Grundsätzlich heizt Airconomy den Raum über eine Flächenheizung, allerdings führt das System zusätzlich frische, gefilterte Luft kontrolliert unter den Heizrohren in das Gebäude. Das Airconomy-Systemmodul dient dabei als Wärmetauscher und bringt die Frischluft genau auf die gewünschte Raumtemperatur.

Die Geometrie des Systemmoduls sorgt für eine sehr leistungsstarke Schalldämpfung und erfüllt darüber hinaus auch alle Anforderungen, die aufgrund steigender Sensibilität durch Allergien und Hygiene entstehen. Diese Form der Wohnraumlüftung deckt auf moderne und effiziente Weise den ständigen Bedarf an gefilterter Frischluft und optimiert somit dauerhaft die Raumluftqualität: Geruchs- und staubbelastete Raumluft wird permanent mit Frischluft ausgetauscht.

Insgesamt versorgt Airconomy im Hospiz St. Thomas auf einer Fläche von knapp 720 Quadratmetern acht Gästezimmer sowie Technik,- Seminar- und Sozialräume als auch Arzt- und Schwesternzimmer.

Energetisch interessant: Im Fall von Airconomy sorgt die integrierte Wärmerückgewinnung mit bis zu 97 Prozent Wirkungsgrad und niedrigeren Vorlauftemperaturen als bei herkömmlichen Fußbodenheizungen für einen besonders geringen Primärenergiebedarf.

Im schlüsselfertigen Bauzustand verraten heute somit lediglich schmale Luftaustrittschlitze im Bodenbelag unter den Fenstern das Vorhandensein moderner Haustechnik. Die Vorgaben der Huf-Haus-Architektur stellten jedoch noch besondere Anforderungen an das Lüftungssystem. Im Fall des Hospiz-Neubaus sollte die vorgesehene Anlage zur kontrollierten Lüftung nicht nur eine einwandfreie Funktion hinsichtlich Luftqualität, Entfeuchtung und Energieeffizienz gewährleisten.

Kollisionsfreie Verlegung

Die Systemkomponenten sollten vor allem unauffällig, möglichst unsichtbar im Gebäude integriert werden. Die Standardlösung, Luftkanäle in einer abgehängten Decke zu verlegen, kam jedoch aufgrund der architektonischen Vorgaben nicht infrage. Somit bestand die besondere Herausforderung darin, bereits in der Konzeption die Verlegung der Zuluft- und Abluftkanäle im Bodenaufbau so einzuplanen, dass eine kollisionsfreie Führung gewährleistet ist.

Zudem wurden die Abluftleitungen in den Innenwänden vertikal nach oben geführt und an die Abluftventile angeschlossen. Die Außen- und Fortluftstutzen konnten unauffällig in die Fassaden eingegliedert werden.

Zwischenzeitlich zeigte sich die Bauherrschaft nach Aufnahme des Betriebs hochzufrieden: „Nachdem wir im August 2017 die ersten Gäste in unserem Hospiz empfangen durften, konnten wir die Hauslüftung nun schon einige Monate bei verschiedensten klimatischen Bedingungen testen. Sowohl unsere Gäste als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr zufrieden mit dem System“, erklärt Elisabeth Disteldorf, Geschäftsführerin von Katharina Kasper Hospiz.

Eine kollisionsfreie Kanalführung in der Planung vorausgesetzt, lassen sich sowohl im Neubau als auch in der Sanierung von Bestandsimmobilien sonst unvermeidliche Verluste in der Raumhöhe verhindern. Das Beispiel Hospiz St. Thomas zeigt die Lösung einer komplexen Luftführung auf kleinstem Raum.

Erschienen in Ausgabe: 05/2018