Zunder statt Zaster

Regionale Konsequenzen: Die Basler Beschlüsse, Teil II

Internationale Krisen - insbesondere Finanzkrisen - führen in aller Regel zur Gründung eines internationalen Ausschusses, der künftige Krisen vermeiden soll. Der Baseler Ausschuß wurde vor zwei Jahren unmittelbar nach der Asienkrise ins Leben gerufen. Finanzexperten aus aller Welt sitzen hier zusammen mit dem Ziel, die Finanzpolitik zu stabilisieren. Ihr Blick ist fest auf die internationale Ebene gerichtet, die Anforderungen an die Großbanken haben höchste Aufmerksamkeit. Beschlossen werden sollen neue Bedingungen der Kreditvergabe. Wenn sie in der vorgelegten Fassung gültig werden, hat das fatale Folgen für die Regionalbanken und damit für kleine und mittelständische Unternehmen. Welchen Handlungsbedarf Sie jetzt haben, erfahren Sie in unserer Serie.

23. September 2002

Im Kern der Basler Beschlüsse steht die Forderung, daß Banken bei der Kreditvergabe mehr Eigenkapital vorhalten müssen als bisher. Damit soll sichergestellt sein, daß sie im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners besser gewappnet sind. Wieviel Eigenkapital sie sicherheitshalber vorhalten müssen, hängt vom Rating des Schuldners ab (Siehe Rating statt Rat). Ohne Zweifel trägt diese möglichst realistische und vor allem möglichst objektive Erfassung der Kreditrisiken zu der gewünschten Stabilisierung bei. Problematisch wird es, weil für Klein und Groß die gleichen Maßstäbe angelegt werden sollen. Die Basler Beschlüsse fordern die Vorlage eines externen Ratings für jeden Kunden. Wenn künftig der Ein-Mann Unternehmer einen Kredit braucht, soll er sich ebenso raten lassen wie das ein Konzern mit mehreren tausend Mann tun soll.

Daß der Unternehmer das externe Rating selbst zahlen muß, versteht sich. Zu welchen Preisen solche Ratings angeboten werden bleibt abzuwarten. Im Moment ist das noch ein teures Procedere. Viel ernüchternder aber ist, daß wohl eine beachtliche Anzahl kleiner und mittelständischer Betriebe den Anforderungen nur unzureichend genügen wird und damit sehr teuer für Kredite zahlen müßte. Wenn sie denn überhaupt welche bekommen würden. Wer ein zu hohes Risiko darstellt, fällt durch das Raster. Und da die Banken durch die erhöhte Vorhaltung des Eigenkapitals weniger Kreditmittel zur Verfügung stellen können, werden sie schonungslos aussortieren.

Rating widerspricht Mittelstandsstruktur

Nicht zuletzt weil das gravierende Auswirkungen auf die Bankenlandschaft selbst hätte, sind sich ausnahmsweise die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken bzw. deren Dachorganisationen einig: Das soll so nicht sein. Der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt erklärt kurz und bündig, das externe Rating „widerspricht unserer mittelständischen Struktur in Deutschland, und deswegen sind wir nicht damit einverstanden.“ Die Forderung geht dahin, auch das interne Rating, das die Banken und Sparkassen bisher betreiben, ebenso zuzulassen.

Das interne Rating läßt Raum für regionale Besonderheiten und bezieht auch langfristige Kundenbeziehungen in die Kreditentscheidungen mit ein. Abgesehen von sehr kritischen Fällen sollte das auch weiterhin für die Kreditentscheidungen genügen. Prof. Folz, Präsident a.D.des Genossenschaftsverbandes Bayern erklärt sehr schön, warum „So wie ein wendiges Ruderboot auf einem bayerischen Fluß kein Radar und keine satellitengestützten Navigationsinstrumente braucht, die für einen schwerfälligen Öltanker in internationalen Gewässern angemessen sind, so wenig brauchen Banken mit regional begrenztem Kreditgeschäft und funktionierendem internen Rating die komplizierten und kostspieligen finanzmathematischen Regelungen der großen internationalen Bankinstitute.“

Erschienen in Ausgabe: 04/2002